Den Häuptling von Manengoteng hatte mein Mann angewiesen, daß er Verpflegung für die Träger, sowie ein Schaf, einige Eier und Ananas für unsere Küche bringen sollte und nach einigen faulen Ausreden erklärte er sich dann auch bereit, den gewünschten shop zu bringen.

In Begleitung von fünfzehn bis zwanzig seiner Dorfgetreuen und Frauen, die mich mit unverhohlenem Erstaunen und großem Interesse recht eingehend begafften, brachte er dann auch wirklich die Verpflegung für unsere Leute; ein sehr schönes Mutterschaf für uns, und mit verschämtem Grinsen überreichte er mir persönlich ein Huhn und ein kleines, mit Eiern gefülltes Körbchen. Als Bezahlung erhielt er den ortsüblichen Satz von sieben Mark für das Schaf, außerdem fünf Het, das sind fünfundzwanzig Blatt Tabak, und aus der unergründlichen Rumflasche er zwei und seine Begleiter je ein Gläschen. Es wunderte mich, daß er das Glas auf einen Zug leerte und den scharfen Traderum in dieser Menge seinem Magen anbot. Doch der alte Genießer ging noch weiter, er behielt den »Schluck« im Munde und spülte, den Kopf schüttelnd, sich auch noch den Mund damit aus, bevor er das edle Naß hinunterschluckte. Die gleiche raffinierte Genußsucht zeigten seine Begleiter.

Befriedigt über das Ergebnis seines Handels zog er sich in sein Dorf, wo auch unsere Träger untergebracht waren, zurück.

Inzwischen hatte Joseph bereits unserem Schäflein das Lebenslicht ausgeblasen und am Abend servierte er Hammelkeule mit grünen Bohnen (Konserven). Joseph wollte sich vor mir als durchaus perfekter Koch zeigen und hatte zum Nachtisch Krapfen gebacken, sowie eine gute Tasse Kakao gekocht.

Meine lächelnde Frage, ob die Krapfen in »Affenfett« gebacken seien, wies er beleidigt zurück, sah dann aber an meinem Appetit, daß ich nur gescherzt hatte.

Mein Mann hatte mir oft in der Heimat von den Kochkünsten seines für ihn unentbehrlich gewordenen Joseph erzählt, und ich kann heute die Schilderungen schon zum größten Teil bestätigen.

Lustig loderten und knisterten die um unsere »Behausung« angelegten vier Lagerfeuer und wir fielen bald, nachdem wir die wichtigsten Tagsesereignisse notiert hatten, durch das Rauschen des Dibombe und die vom tosenden Wasserfall gespendete Kühle sanft eingelullt, in einen tiefen Schlaf.

Durch den alles übertönenden Lärm der abstürzenden Wassermassen und durch den uns umgebenden Urwald am Fernblick behindert, hatten wir nicht wahrgenommen, daß im Westen eine dicke, schwarze Gewitterwand sich auftürmte und dank der ausnahmsweisen Wachsamkeit des Feuermannes wurden wir vor unfreiwilligen Flugversuchen bewahrt.

Ein furchtbarer Sturm brach los. Dürre Äste fielen laut krachend um unser Zelt herum zu Boden und der Feuermann begann bereits die glimmenden Holzscheite der Lagerfeuer, die einen mächtigen Funkenregen verursachten, auseinanderzuziehen, denn er sah das Zwecklose seiner Bemühungen, weiterhin ein Lagerfeuer unterhalten zu können, ein. In wenigen Augenblicken prasselte der Regen in Strömen hernieder, der jedoch dank der um das Zelt angelegten vielen Wassergräben unsere Behausung, wenigstens von unten her, trocken ließ. Blitz folgte auf Blitz und Donnerschlag auf Donnerschlag. Fast ununterbrochen war unser Zelt taghell erleuchtet, und ich mußte die Augen schließen vor der blendenden weißglühenden Helle der tropischen Blitze. Unheimlich wurde mir in unserem engen Zelt zumute, doch es gab keine andere Möglichkeit, als ruhig im Bett liegend, auszuharren, bis der Tornado vorüber war.

Noch nie hatte ich ein derartiges Gewitter erlebt. Was waren selbst die strengsten Gewitter in der Heimat gegen dies Toben der entfesselten Elemente, diesen Aufruhr der Natur in den Tropen, das blitzte, krachte, sauste, rüttelte an unserem Zelt, daß ich glaubte, der Untergang der Welt sei gekommen.