Joseph, der die Unerbittlichkeit meines Mannes, während der ganzen Nacht ein Lagerfeuer zu unterhalten, kannte, hatte vor Beginn des Regens so viel Holz als möglich durch die Träger in die Hütten schaffen lassen. Er selbst harrte mit uns im Zelte aus.

Da plötzlich schien die elementare Gewalt noch ein letztes Mal mit dem Rest ihrer gewaltigen Kräfte einzusetzen, dem selbst einige Stricke unseres Zeltes nicht standhielten, so daß die eine Hälfte einfach zusammenklappte.

Wieder war es Joseph, der in Gemeinschaft mit dem Feuermann, welcher unter dem Sonnensegel Schutz gesucht hatte und durch das Zusammenklappen des Zeltes ein unfreiwilliges, zu seinem größten Leidwesen recht ergiebiges Bad genommen hatte, bei strömendem Regen unter Blitz und Donner die Zeltstricke an in der Nähe befindlichen Bäumen festband. Eine kleine, kalte Douche hatten wir jedoch auch mit abbekommen.

Die Gewalt des Tornado war jetzt gebrochen, und man hörte nur noch das monotone Rauschen des Wasserfalls und den langsam schwächer werdenden Donner des abziehenden Gewitters, begleitet von starkem Wetterleuchten.

Die beunruhigte Natur brachte uns auch endlich für den Rest der Nacht in der angenehmen Kühle und erfrischenden, gereinigten Luft den ersehnten, erquickenden Schlaf.

Wir öffneten unser Zelt an den beiden Stirnseiten und ließen uns von der frischen Nachtbrise in den Schlaf fächeln.

Am andern Morgen brachen wir in aller Frühe unsere Zelte ab, riefen dem Wasserfall ein letztes Lebewohl zu und marschierten bis zur Station Manengoteng, wo Joseph mit den Trägern das Verladen unserer Lasten vornahm, während wir zu Pferde, begleitet von acht Trägern mit etwas Verpflegung und einer aus zwei Reisesäcken und zwei armdicken Knüppeln gefertigten Hängematte bis zur nächsten Station, Ndunge, durch den herrlichen Urwald, der uns heute, nach dem erfrischenden Tornado viel schöner erschien als bisher, ritten.

Schwierig gestaltete sich die Überquerung eines mittleren Nebenflusses des Dibombe, dessen Brücke, welche aus mehreren über den Fluß gelegten Baumstämmen und darüber geschnürten Knüppeln bestanden hatte, vom gestrigen Tornado fortgerissen war. An einer seichten Stelle (Furt) wurde die Durchquerung vorgenommen. Unsere wenigen Lasten, die bisher auf dem Rücken getragen worden waren, mußten auf den Kopf genommen werden. Rasch entledigten die Neger sich ihres einzigsten Kleidungsstückes, des schmutzigen Lendenschurzes, dem eine innige Berührung mit dem Wasser absolut nichts geschadet hätte, und bis unter die Arme im Wasser stehend, das Gesicht der nicht schwachen Strömung zugewandt, waren bald sämtliche Träger am andern Ufer des Flusses angelangt. Mein Mann, dem ein derartiges Durchqueren nichts Neues war, schwamm direkt mit dem Pferde durch. Für mich ließ er die »Hängematte« bringen und darin liegend, wurde ich auf den Köpfen unserer lieben, schwarzen Brüder durch den Fluß getragen. Sehr behaglich fühlte ich mich in diesem provisorischen Traggerüst allerdings nicht, am meisten nervös machte mich das andauernde Geschrei und Zurufen der sich vorsichtig vorwärts tastenden Träger.