Nachdem wir auch dieses Hindernis genommen hatten, ritten wir durch die, an den Ufern des Dibombe, der sich hier zwischen Felsblöcken hindurchwindet, gelegenen Bananenhaine, in deren Hintergrund der Urwald, streckenweise von Grasflächen unterbrochen, in seiner alten Pracht grünte. Das Gekrächze der Papageien und der Ruf des Turakos, sowie das Murmeln des eilig zu Tale fließenden Dibombe unterbrachen die lautlose Stille des Urwaldes.
Auf einem vom Sturm entwurzelten Urwaldriesen ließen wir uns nieder und von Taka den mitgenommenen Mundvorrat auftischen, welcher bis auf eine kleine eiserne Portion, die für alle Fälle unberührt blieb, verzehrt wurde.
Von Ferne vernahm man das Stöhnen und Krächzen der Eisenbahn, die gerade an dieser Stelle die sehr steilen Hänge des Manenguba-Gebirges in kurz gewundenen Serpentinen, mehrere Male den Fluß kreuzend, hinaufkeucht. Wir ließen den Zug an uns vorüberfahren und Joseph, der mit den restlichen Trägern auf dem mit unseren Lasten beladenen Wagen thronte, schwenkte, zum Zeichen, daß in der Kolonne alles in Ordnung sei, fast kameradschaftlich die Mütze.
Nach weiterem, dreistündigen Marsch durch die endlosen Grasflächen, die wir auf engen, ausgetretenen, zirka 30 Zentimeter breiten Negerpfaden, zu deren beiden Seiten das bis fünf Meter hohe Elefantengras wogte und keinem Lüftchen Zutritt zum Wege gestattete, durchquerten, zogen wir endlich in Ndunge ein. (Das vorläufige Ende der Kamerun-Nordbahn ist Nkongsamba.) Hier sahen wir zum ersten Male größere Herden Kleinvieh und eine, scheinbar mit Verständnis aufgenommene Hühnerzucht.
Nachdem wir etwas außerhalb des Dorfes einen Platz von Gras und kleinem Buschwerk befreit und darauf unser Lager aufgeschlagen hatten, erschien auch schon der Häuptling mit Verpflegung für die Leute und einigen Ananas und Popeias für uns.
Das Häuptlingsgehöft Ndunge bestand aus zweiundzwanzig, in einer Linie längs der Straße aufgebauten Mattenhäusern und kennzeichnete eine gewisse Wohlhabenheit seines Besitzers.
Für jedes Weib, welches sich der Häuptling neu erwirbt, läßt er von den Getreuen seines Dorfes ein neues Mattenhaus errichten. Der Häuptling selbst stand in den besten Jahren, und wir wunderten uns über die vielen alten Frauen, die in seinen Gehöften untergebracht waren. Er erzählte uns auf Befragen, daß sein Vater vor zirka fünf Jahren gestorben sei und ihm seinen ganzen Reichtum, in Gestalt von fünfzehn Frauen, als Erbe hinterlassen hätte.
Der Platz zwischen Gehöft und Straße war sauber mit kleinen Büscheln von Zitronengras (Fiebergras) eingefaßt und in der Mitte dieses Platzes standen einige herrliche Orangen- und Mangopflaumenbäume. Eine stattliche Herde Schafe und Ziegen waren hinter dem Gehöft in einer Hürde eingesperrt.
Wir hatten allmählich unsere Decken hervorsuchen müssen, denn es war in den Abendstunden schon recht frisch, so daß man sich, im Langstuhl sitzend, eine Decke über die Knie legen mußte.
Nachdem mein Mann den Häuptling für die gebrachte Verpflegung scheinbar recht gut bezahlt hatte, brachte er uns am Morgen vor unserem Aufbruch noch einige Hühner, die mit zusammengebundenen Füßen und über dem Arm getragen, mitgenommen wurden.