Hier sollte, da wir uns doch bald am Endziel unserer Reise nach Norden befanden, das in Duala eingekaufte Hängekleid ein würdiger Sold für das Entgegenkommen des Häuptlings sein. Mit vor Freude glänzenden Augen überreichte er seinem Lieblingsweibe das Kleid, welches laut klatschend alle ihre Mitfrauen herbeirief, um uns nach dem Klang der Palaver- und Playtrommeln, die von den Männern geschlagen wurden, unter rhythmischem Händeklatschen einen Abschiedstanz aufzuführen. Als wir unsere Pferde bestiegen hatten, drückte der Häuptling uns kameradschaftlich die Hand und unter lautem Zurufen und Gejohle der Bewohner galoppierten wir zum Gehöft hinaus.

Weiter ging es durch endloses Weideland, welches durch das letzte Abbrennen nur mit ganz jungen Grasspitzen bestanden war, auf der schön ausgebauten Regierungsstraße zunächst nach dem Posten Bare, wo wir auch unsere Trägerkolonne einholten.

Hier sahen wir zum ersten Male an Stelle der Mattenhäuser aus den Halmen des Elefantengrases hergestellte Hütten.

Nach kurzer Rast zogen wir, nach weiterem, dreistündigen Marsch in das deutsche Gehöft der Gebrüder H. ein.

Freundlich von den Besitzern empfangen, ließen wir die Pferde in den Stall bringen und in kurzer Zeit saßen wir, fröhlich von der Heimat plaudernd, mit den beiden, von der Tropensonne gebräunten Farmern beim Essen. Dann zeigten sie uns ihre stattlichen Rindvieh-, Schaf- und Ziegenherden, sowie die Schweine und am Schlusse eine, in bescheidenen Grenzen gehaltene Pferdezucht. Fern von jeder menschlichen Niederlassung auf einem erloschenen Krater, die in jener Gegend nichts Seltenes sind, hatten sie ein recht stabil gebautes, mit Matten eingedecktes Wohnhaus errichtet, dem sich, ein Geviert bildend, die Ställe und Scheunen anschlossen. Vor dem Gehöft war ein großer Komplex urbar gemacht und mit Kartoffeln bepflanzt, während zu beiden Seiten herrliche Bananen- und Plantenhaine, leicht von der wohltuenden Brise bewegt, standen. Auch Mais und Makavos, die hauptsächlich als Futter dienten, erbauten sie. Die innere Ausstattung des Wohnhauses war den afrikanischen Verhältnissen angepaßt und wir freuten uns, nach den vielen Tagen der Reise wieder einmal ein festes Dach über unserem Haupte zu haben. Allerdings reichten für die bis heute erklommene Höhe (1100 Mtr.) unsere mitgebrachten Decken nicht aus, denn die Temperatur sank bereits in den Abendstunden recht tief.

Der nächste Tag war der von den Trägern, und ich muß sagen, auch für uns innig herbeigesehnte Rasttag, denn in Afrika marschiert man für gewöhnlich höchstens fünf Tage, um am sechsten einen Ruhetag zu machen.

Während ich nach einem langen, bis tief in den Morgen hineinwährenden Schlaf gemütlich durch die Farm bummelte und alles nochmals interessiert betrachtete, ging mein Mann mit den beiden Besitzern auf Jagd und brachte aus der sogenannten Kornkammer, einer verlassenen Kassadafarm, neun Stück Buschhühner und fünf Tauben mit nach Hause, die wir uns am Mittag, durch die Hand des schwarzen Kochs schmackhaft zubereitet, munden ließen.

Am Nachmittag ritten wir noch nach dem in der Nähe gelegenen Dorfe Mboénda, wo mein Mann früher einmal sein Lager für längere Zeit aufgeschlagen hatte. Leider war der Häuptling an den Folgen einer Dysenterie gestorben, doch die anderen Bewohner, die meinen Mann wiedererkannten, freuten sich über unser Kommen und beschenkten uns mit Hühnern und Eiern. Da wir nur einige Het Tabak bei uns hatten, zahlten wir mit diesen.

Um den Nachmittag gut auszufüllen, zeigte mir mein Mann noch die über den Nkam führende, kunstgerecht aus fingerdicken Rotang-Lianen hergestellte, den ganzen zirka sechzig Meter breiten Fluß überspannende Hängebrücke bei Nkongsam. Unterhalb dieser Brücke stürzt sich der Nkam 40 Meter über vorspringende Felsen in die Tiefe und jeder, der beim Überschreiten der Hängebrücke einen Fehltritt tut, wäre dem sichern Tode geweiht.

Nachdem wir dieses herrliche Naturschauspiel bewundert hatten, ging's im flotten Trabe heim. An das Durchreiten der zu durchquerenden Flüsse hatte auch ich mich schon gewöhnt, so daß wir bald wieder in der Farm anlangten, noch ehe die Nacht ihre Schatten auf die Erde senkte.