Am nächsten Morgen ließ Josef, wie an Marschtagen üblich, bereits im Dämmern des kommenden Tages, das sich in Afrika innerhalb einer halben Stunde von der Nacht bis zum völligen Sonnenaufgang vollzieht, unsere Lasten in Reih und Glied vor dem Hause auflegen.
Als wir nach kurzem Frühstück aus dem Hause heraustraten, bot sich uns wieder ein eigenartiges gewaltig-schönes Schauspiel.
Wer beschreibt die Schönheit des in scheinbarer Eile hinter den Bergen emporsteigenden Glutballes!
Erst ein ganz leichter goldiger Schein, der sich bald in ein purpurnes Rot, durchzogen von gelben bis milchweißen Fäden, verwandelt, beleuchtet die Sonne die ausgedehnten, saftig grünen Grasflächen mit ihren ersten, wärmenden Strahlen und während wir uns von unseren liebenswürdigen Gastgebern mit herzlichem Dank verabschiedet hatten, stand sie in voller Pracht am Himmel.
Nun traten wir den Marsch zur Küste an und marschierten vorläufig wieder zu unserem Freunde von vorgestern, wo wir nach Übernachtung am nächsten Tage die Bahn benutzen wollten, um sie in Mujuka wieder zu verlassen.
Eine zauberhaft schöne Mondnacht senkte sich auf die leicht ausgekühlte Tropenlandschaft nieder. Prächtig, in nie gesehenem Glanze, eine kolossale Lichtfülle ausstrahlend, stand silberglänzend der Vollmond am Himmel. Die Helligkeit war so groß, daß man nicht zu klein gedruckte Schrift bequem im Mondlicht lesen konnte.
Nicht sattsehen konnte ich mich an der Schönheit der im magischen, weißen Lichte daliegenden Landschaft. Ich muß sagen, daß mir die Eigenart der tropischen Lande noch unendlich anziehender erschien als im Sonnenglanz.
Noch ganz versunken in die märchenhafte Schönheit des Abends, beachteten wir kaum den erst schüchternen, dann immer stärker werdenden rhythmischen Schlag der Palaver- und Play-Trommeln. Als auch noch Gesang, sowie ein, diesen begleitendes Händeklatschen aus dem Dorfe zu unserem Lager herüberdrang, machten wir uns auf, um dem Tanze – denn ein solcher fand nach den Angaben meines Mannes statt – zuzuschauen.
Männlein und Weiblein hatten sich auf dem Dorfplatze im Kreise aufgestellt, hinter diesen, wohlgeordnet, die »Musikanten« und in der Mitte des Kreises tanzten, ihre Schultern und Hände schwingend und den Bauch schlangenartig im Kreise windend, zwei anmutige Negermädchen. Es ist unbeschreiblich, mit welchem Feuer, jede Muskel einzeln bewegend, der Neger sich dem Genusse des Tanzens hingibt. Schweißüberströmt drehten sich die fast ganz nackten Körper im Mondlicht und ein wohlgelungener, graziöser Sprung, der gleichzeitig das Ende der Partie bedeutete, brachte den Tanzenden ein lebhaftes Gejohle und Händeklatschen als Lohn ein.
Etwas abseits von dieser tanzenden Gruppe hatten die erwachsenen jüngeren Männer einen Kreis gebildet. Ihre Musikinstrumente bestanden aus leeren Kisten, Tonnen und zwei, anderthalb Meter im Durchmesser fassende, fünf Meter lange, aus einem Baumstamm herausgeschnitzte Kriegstrommeln, die kräftig mit Stöcken und Knüppeln bearbeitet wurden. Wenn die Frauen ihre Tänze graziös ausführten, so kann man hier von einem wilden, jeglichen Rhythmusses entbehrenden Springen der mit Tanzmasken geschmückten Männer reden. Ganz ausnahmsweise große Sprünge wurden mit einem lauten, zischenden »scht, scht« begleitet, welche Laute durch Ruten, aus den Rippen der Raphiapalme hergestellt und durch die Luft geschlagen, erzeugt wurden.