Fast wie auf ein Kommando hielten unsere Pulljungs jetzt inne und zeigten uns, auf einer Sandbank ruhend, ein Krokodil. Freudig überrascht, verhielten wir uns ganz still und ließen das Kanoe durch die Strömung treiben, steuerten dicht an die Sandbank heran und auf den Knien im Kanoe liegend, schreckte mein Mann durch einen wohlgezielten Schuß aus seiner Birschbüchse den Schläfer aus seiner Ruhe. Leider war für seine Größe der Schuß zu wenig und ehe noch mein Mann das Gewehr repetieren konnte, verschwand das Krokodil in den Fluten des Mungo, natürlich zum lebhaften Bedauern unserer Träger, denen das Fleisch eine willkommene Beute gewesen wäre.
Nach einigen Stunden flotter Fahrt legten wir in Kotto, einem mächtigen Negerdorf am Mungo, an. Unsere Träger hatten unsere Ankunft durch lautes Hallern und Schlagen der Palavertrommeln, die wir stets mit uns führten, bekannt gegeben und auf halbem Wege nach dem Dorfe kamen uns bereits der Häuptling mit dem üblichen Anhang entgegen. Er machte zur Begrüßung einen, allerdings unfreiwilligen, Knicks bis zur Erde (er war versehentlich auf eine hervorstehende Wurzel getreten und ausgeglitten), was eine allgemeine Heiterkeit der Anwesenden zur Folge hatte und ihnen einen wütenden, strafenden Blick ihres Herrn und Gebieters eintrug; jedoch auch wir konnten nur mühsam ein Lachen unterdrücken.
Wir gingen mit ihm nach seinem Dorf und er bewirtete uns mit Palmwein, einem unserem Most ähnlichen, leicht gegorenen, säuerlichen Getränk, welches der Ölpalme abgezapft wird. Auch ließ er sofort im Dorfe Eier zusammenholen und schenkte uns beim Fortgang das landesübliche Huhn.
Wir hatten jeden Tag mindestens ein Huhn gegessen, teilweise, um keine Fleischkonserven essen zu müssen, sogar zwei.
Weiter ging's auf der meist spiegelglatten, nur hie und da durch quer im Fluß liegende Baumstämme unterbrochenen Fläche des Mungo. An den uns entgegenkommenden Kanoes, die mit Früchten und Tauschwaren beladen waren, schoß das unsrige pfeilschnell vorüber und nur kurze Anrufe »woher! – wohin!« unterbrachen den monotonen Gesang.
Die Sonne hatte ihren höchsten Stand lange überschritten, als wir am linken Ufer des Mungo auf einem kleinen Plateau ein niedliches Dörfchen erblickten, wo wir dann auch landeten und Lager aufschlugen.
Am Flusse sah ich einige schwarze Mütter stehen, welche ihre, scheinbar kaum einige Wochen alten, Bambinos durch das Wasser schwenkten, was ich als Grausamkeit empfand, den Kleinen aber ganz gut zu bekommen schien. Näherkommend, reichten sie mir zutraulich ihre Kleinen und lachten glücklich, als ich durch Schäkern ein Lächeln auf dem niedlichen, schwarzen Gesichtchen hervorrief.
Ins Lager zurückkommend, nahm ich meine tägliche Waschung vor, doch schon während derselben fühlte ich im Gesicht und an den Händen leichte Stiche, konnte aber immer nur die Folgen derselben, einen roten Fleck in der Größe einer Erbse finden. Durch meinen Mann aufmerksam gemacht, näher hinsehend, bemerkte ich die stecknadelspitzen-großen Sandfliegen, die dutzendweise an den entblößten Stellen des Körpers saßen und Blut saugten. Gott sei Dank, waren es nur harmlose Tierchen, die keine Krankheiten übertragen. Weit unangenehmer empfand ich das in den höchsten Tönen hervorgebrachte Summen der Moskitos, die uns während des ganzen Abends umschwirrten und vor allen Dingen mich (mein Mann behauptete, des süßen Blutes wegen!) grausam quälten. Trotz der Vorsicht Josephs, das Moskitonetz recht fest unter die Matratze gestopft zu haben, hatten sich doch einige dieser »lieben Tierchen« Einlaß in unser Allerheiligstes zu verschaffen gewußt, und es entspann sich beim Schlafengehen ein lebhafter Kampf, bei dem die Moskitos, als die Unterliegenden, ihr sträfliches Tun mit dem Tode büßen mußten. Aber selbst die Genugtuung, alles getötet zu haben, was sich unberechtigterweise unter mein Moskitonetz eingeschlichen hatte, ließ mich keinen Schlaf finden, denn das Summen der außerhalb des Netzes fliegenden Moskitos machte mich dermaßen nervös, daß ich froh war, als der Schlag der Trommel, der als Weckruf für den Träger dient, den anbrechenden Morgen verkündete.
Auf mein Bitten hin und mit Rücksicht auf mein zerstochenes Gesicht sowie Arme wurde die Kanoefahrt, so herrlich sie an und für sich war, abgebrochen, und wir marschierten quer durch den Urwald, stracks nach Osten der Bahn zu, die wir in Kake bestiegen, und noch am selben Tage zogen wir wieder in Bonaberi und Duala ein.
Unsere Reise in die nördlichen Gebiete hatte uns länger in Anspruch genommen, als wir beabsichtigten, so daß wir unser aufgesetztes Reiseprogramm, in dem noch eine Reise nach Jaunde mit aufgenommen war, nicht durchführen konnten.