Wir hatten bis zur Abfahrt des Dampfers noch sechs Tage und da ich, trotz unserer vieltägigen Reise durch den Urwald und einen Teil des Graslandes noch nicht einmal einen Elefanten in Freiheit gesehen hatte, so beschlossen wir, nach einer eintägigen Ruhepause noch eine Kanoefahrt auf dem Wuri oder Kamerunfluß zu unternehmen.

Obwohl ich eigentlich noch ziemlich genug hatte von den »Genüssen«, die uns die eintägige Kanoefahrt auf dem Mungo beschert hatte, willigte ich in die Änderung des Reiseprogramms ein.

Unsere Träger wollten nun auch für die uns geleisteten Dienste ihre Besoldung haben, die wir ihnen in deutscher Münze auszahlten. Als Geschenk für die Ausdauer, die sie bewiesen hatten, erhielt jeder fünf Het Tabak, zwei Flaschen Gin und eine Mark, sowie den von der Buschtour zurückgebrachten Reis. Vor Freude führten sie unter Singen und Schreien einen Tanz auf und hatten es dann sehr eilig, die erworbenen Pfennige in den Faktoreien Dualas in Waren umzusetzen.

Am nächsten Tage mieteten wir uns ein zirka zwanzig Meter langes Kanoe, in welches wir einige, mit Verpflegung und Reservekleider bepackte Koffer verstauten, ein Palmblätterdach wieder im vorderen Teil des Kanoes aufbauten und die Longchairs zwischen die Lasten setzten. Wir fuhren mit einer Besetzung von zwölf Pulljungs auf dem Kamerunbecken hin, an den großen, mitten im Strom lagernden Inseln vorüber, den Wuri hinauf.

Da wir Flut hatten, wurde den Pulljungs die Arbeit erleichtert und pfeilschnell schoß, unter den kräftigen Ruderschlägen unserer Dualas, das Kanoe auf der spiegelglatten Fläche, die nur durch einige, aus dem Wasser herausragende Felsblöcke und Baumstämme, sowie von einigen, aus dem oberen Teil des Wuri kommende Kanoes, deren Besatzung gleich der unseren ihre monotonen Weisen erklingen ließen, unterbrochen wurde, dahin.

Immer höher stieg die Sonne und durch das angestrengte andauernde Paddeln ermüdet, verstummte bald der Gesang unserer Besatzung. Da die Flut uns nicht gefolgt war, mußte die ziemlich starke Strömung des Wuri überwunden werden und es ging immer langsamer vorwärts. Stellenweise mußten die Jungens sogar das Kanoe verlassen und dasselbe über den Schlick und die Sandbänke hinwegziehen.

In einem idyllisch an den flachen Ufern des Wuri gelegenen Dörfchen schlugen wir unser Zelt auf und legten uns nach der üblichen Begrüßung durch den Häuptling und dem Genuß einer von Joseph selbst erlegten Antilope schlafen.

Mein Mann hatte sich mit den Dorfbewohnern eingehend über die Jagdverhältnisse unterhalten und Befehl gegeben, daß wir am nächsten Morgen sehr früh aufbrechen und eine Jagdfahrt auf dem Abo unternehmen wollten.

Noch ehe die Sonne die leicht gekräuselte Fläche des hier sehr schmalen, aber tiefen Wuri beschien, befanden wir uns auf dem seeartigen Abo, dessen beide Ufer mit einem undurchdringlichen Mangrovendickicht, Lianen und tausend anderen Schlinggewächsen bestanden sind. Vor uns sahen wir eine kleine Lichtung, die bis an das Ufer des Abo heranreichte und beim Näherkommen machten uns unsere Begleiter auf zwei, im Grase ruhende Flußpferde aufmerksam, auf deren Rücken, wie wir mit dem Glase feststellten, die Madenhacker (kleine Vögel) eifrig pickten. Kaum hörbar, die Ruder flach durch das Wasser ziehend, steuerten wir auf diese Stelle zu. Mein Mann hatte sich lang ins Kanoe gelegt und außer seiner Birschbüchse, die er bereits an der Backe liegen hatte, hielt ich, hinter ihm sitzend, den mit fünf Patronen geladenen Karabiner zum Schusse bereit. Als der erste Schuß krachte, sah ich in der Aufregung oder Jagdfieber, welches sich meiner bemächtigt hatte, nur einen unförmigen Körper laut klatschend ins Wasser fallen, während sich eine scheinbar formlose Masse schnaufend und stöhnend im Grase wälzte.

Dem ersten folgten zwei weitere Schüsse und unter lautem Schreien ruderten die Schwarzen das Kanoe an Land, um das erlegte Tier zu besehen.