Wir hatten nicht bemerkt, daß uns zwei weitere Kanoes aus dem Dorfe, in welchem wir das Lager aufgeschlagen hatten, gefolgt waren, die nun unter Aufbietung aller Kräfte singend und schreiend auf uns zuruderten und sich in Gemeinschaft mit unseren Leuten an die Zerlegung des von mir sehr bestaunten Tieres machten. Bald sah man an der Stelle, wo die beiden Dickhäuter der Ruhe gepflegt hatten, nur noch schwammige Stückchen Fleisch und eine große Blutlache. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, daß in einer Viertelstunde von dem Koloß, den mein Mann auf 20 Zentner schätzte, nur noch tragbare Stückchen Fleisch zu sehen waren. Unsere Pulljungs suchten sich die schönsten Stücke heraus, mein Mann ließ sich ein zirka ein Quadratmeter großes Stück Haut abschneiden und die Stoßzähne herausschlagen, während das andere in den Besitz der übrigen Dorfbewohner überging.

Eigentlich hatten wir erreicht, was wir wollten, doch die kurze Zeit des Aufenthalts in Kamerun wollten wir ausnützen, soweit es möglich war. Auf Befragen erfuhren wir von einem der Dorfbewohner, daß zirka eine halbe Stunde von uns entfernt, mehrere Elefanten durch den Abo wechselten, und zwar meist in den Nachmittagsstunden zwischen vier und sechs Uhr. Da wir keinen großen Rückweg zu unserem Lager hatten, ruderten wir nach längerer Rast weiter den Abo hinauf, bis zu der von den Dorfbewohnern bezeichneten Stelle.

Unser Kanoe wurde an einem Baumstamm festgebunden, während wir die Umgebung nach den Spuren der Dickhäuter absuchten. Bald fanden wir auch einige größere und eine kleinere Spur und Losung, die scheinbar vom Morgen herrührte. In geringer Entfernung von der Furt lagerten wir uns im Walde und harrten der Ankunft dieser lebenden Urwaldriesen.

Wir sollten nicht lange auf die Folter gespannt werden, denn in der Ferne hörten wir bald das Trompeten eines Elefanten, dessen schauriger Klang meine Nerven erzittern ließ. Wir gingen etwas tiefer in den Urwald hinein und ich bemerkte bald, daß wir, mein Mann, Joseph und ich, allein waren; unsere anderen Begleiter hatten sich ängstlich ins Kanoe zurückgezogen, um bei einem evtl. Angriff der Dickhäuter schnell das Weite suchen zu können. Was aus uns dann würde, war diesen tapferen Seelen gleichgültig.

Sonderlich wohl war mir selber nicht zumute, doch mich auf die Treffsicherheit meines Mannes verlassend, harrte ich hinter einem dicken Baumstamm geborgen, herzklopfend, aber mutig aus.

Abermals erscholl, und zwar diesmal in unmittelbarer Nähe, der Trompetenklang des Elefanten, und die Erde dröhnte und zitterte unter dem Stampfen seiner Füße. Auf mein Bitten hin gab mein Mann sein Vorhaben, zu schießen, auf, und wir haben es nicht bereut. Der Bequemlichkeit halber schien der Elefant seine alte Fährte zu benutzen, denn das von meinem Mann beschriebene Knacken und Krachen der Bäume und Äste, die er sich aus dem Wege räumt oder zerstampft, war nicht vernehmbar. Da, endlich sahen wir den Koloß gemütlich angetrottelt kommen und zu unserer aller Überraschung in seinem Gefolge ein täppisches, possierliches Junges in der Größe eines Pferdes.

Plötzlich blieb die Elefantenmutter stehen, und mir stockte das Blut in den Adern, denn ich glaubte, daß sie Witterung von unserer Anwesenheit bekommen habe. Aber ihr Warten galt nur dem Kleinen, das scheinbar nicht so große Schritte wie die Mutter nehmen konnte. Am Flusse angekommen, trampelte sie erst einige Zeit, in dem aufgeweichten Boden bis zum Bauch versinkend, umher, zog den Rüssel voll Wasser und spritzte das hinter ihr stehende Junge an.

Zu gern hätte ich gesehen, wie so ein Elefant schwimmend den Strom durchquert, doch die Mutter schien um das Leben ihres Jüngsten besorgt zu sein und nachdem sich das Schauspiel mehrere Male wiederholt hatte, trabten Mutter und Kind, laut trompetend, wieder in den Urwald zurück. Als sie etwa 50 Meter von uns entfernt waren, gab mein Mann einen Schreckschuß ab und aus ihrer Sorglosigkeit aufgeschreckt, jagten die beiden, die uns so kostbare Minuten bereitet hatten, in den undurchdringlichen Urwald hinein.