Peter sprang auf.
— Weib, reize mich nicht! schrie er außer sich.
— Ich werde dich nicht reizen.
Peter packte sie mit beiden Händen bei den Schultern; seine Züge hatten sich in ohnmächtiger Wut verzerrt. Unwillkürlich griff ich zum Revolver; mein Blut hämmerte in den Adern, aber ich fühlte, daß mir die Hand nicht zittern würde.
— Willst du mich schlagen, Peter? frug Martha wieder in einem Ton, als wenn sie sagte: Willst du Wasser trinken?
— Ja, ich werde dich schlagen, zerren, morden, bis ... bis ...
— Gut. Schlage mich ...
Er wimmerte und wankte wie ein Betrunkener.
Ich näherte mich, um durch meine Gegenwart diesem entsetzlichen Auftritt ein Ende zu machen.
Marthas immer gleiche Traurigkeit und Peters furchtbare innere Kämpfe mitanzusehen, war mir im höchsten Maße qualvoll, und da auch sie mich zum Teile mieden, wenn auch jedes von ihnen aus einem anderen Grunde, so ergab es sich, daß ich den größten Teil der langen Mondtage in vollster Einsamkeit verbrachte. Ich habe mich langsam daran gewöhnt. Übrigens konnte ich schon jetzt mit dem Gedanken an die Zukunft die Leere und Langeweile ausfüllen, zu der ich mich selbst freiwillig verurteilte. Wohl hatte ich mir die Ehe „eines von uns“ mit Martha anders vorgestellt: Ich träumte von einer heiteren, stillen, wenn auch von Sehnsucht nicht freien Idylle, von einem neuen herzlichen Band, das unsern kleinen Kreis vereinen könnte, von langen, mit gedämpfter Stimme geführten Plaudereien, die sich um das Glück und die Sorge und die Bequemlichkeit derjenigen, die nach uns kommen sollen, drehen würden. Aber wenn auch die Wirklichkeit all diese schönen Träume vernichtete, so hatte sie mir doch ein unschätzbares Gut gegeben: Die Hoffnung auf ein neues Geschlecht. Ich liebte das kommende Geschlecht, diese nicht von mir stammenden Kinder, noch ehe sie zur Welt kamen. Auf langen, einsamen Wanderungen dachte ich unaufhörlich an sie. Für sie sammelte ich Vorräte, erforschte die Gegend, schrieb die Beobachtungen nieder; für sie holte ich die von der Erde mitgenommene Bibliothek aus dem Staube hervor und ordnete die Bücher; für sie habe ich Ziegelsteine gefertigt und Kalk gebrannt, um ein gemauertes Haus zu bauen und ein kleines astronomisches Observatorium; für sie aus dem Erz Eisen geschmolzen oder aus dem Silber, das sich hier in großen Massen findet, verschiedene Geräte geschmiedet, Glas, Papier und andere für den zivilisierten Menschen unentbehrliche Gegenstände hergestellt. Ich habe mich so unaussprechlich auf diese Kinder gefreut, die erst geboren werden sollten! Ich glaubte, daß sich mit ihrem Erscheinen endlich alles zum Besseren wenden, ihr Lachen und ihre hellen Stimmchen diese drückend schwüle Atmosphäre verwehen müßten, die zwischen uns herrschte.