Hier gehörte Tom nicht mehr mir. Die Mutter nahm ihn zärtlich in ihre Arme, und wenn die leidenschaftlichen Umarmungen und Küsse beendet waren, setzte sie sich mit ihm auf die Schwelle und begann ihre sich stets wiederholende Erzählung von dem jungen, schönen und guten Engländer, seinem Vater, dem sie auf den Mond gefolgt war, und der unter dem Sande der großen, stillen Mondwüste schlummerte. Eigentlich erzählte sie das mehr sich selbst als dem Sohne, und ihre heißen Tränen flossen auf das helle Köpfchen des Kindes.
Peter grübelte gebrochen und niedergedrückt im Hause über etwas nach oder ging nach den Mädchen zu sehen.
Meiner bedurfte niemand, und so zog ich mich zurück, um in der Einsamkeit zu träumen oder mich mit irgendeiner Arbeit zu beschäftigen.
Die Stunden zogen dahin, die Sonne ging auf und unter, die Erdenjahre schwanden, mühsam an den Mondtagen gezählt; Tom wurde größer und die Mädchen liefen schon hinter ihm her auf den Wiesen, aber für mich hat sich nichts geändert.
Nach alter Gewohnheit zog ich allein im wüsten Lande umher, verbrachte lange Stunden auf der Friedhofinsel, und wenn ich nach Hause kam, blickte ich auf Martha, die immer gleich traurig und schweigsam war, und auf Peter, der einem Gespenst mehr glich als einem lebenden Menschen ...
Und nur die Sehnsucht nach der Erde lebte allgewaltig in meinem Herzen und wuchs mit den Jahren, bis sie schließlich eine furchtbare, unerträgliche, mich zu Boden drückende Last wurde. Um mich vor ihr zu schützen, dachte ich an das neue Geschlecht, unternahm große Wanderungen, ergriff fieberhaft die Arbeit, aber in den Augenblicken der Unterbrechung, wenn ich müde und erschöpft niedersank, kehrte sie wieder — sieghaft, unabwendbar, grausam, zeigte mir die blassen Züge meiner Kameraden hier und gaukelte mir Träume vor von jenen dort, die ich auf ewig verlassen hatte ...
V.
Dort, wo es Jahre gibt, die der Wechsel der Jahreszeiten anzeigt und der Lauf der Sonne, deren Bahn sich hebt oder senkt am blauen Himmelsbogen, dort auf der Erde, näherte sich schon das siebente Jahr seinem Ende, seit unserer Ankunft auf dem Monde, als Martha zum drittenmal Mutter werden sollte. Sie erwartete die Geburt des Kindes mit Ungeduld, denn sie hoffte, daß es ein Sohn sein werde, den sie von vornherein Tom zum Begleiter versprach. Als die Zeit ihrer Niederkunft nach langer Unterbrechung heranrückte, sagte sie zu uns:
— Jetzt erst werde ich ruhig sein, wenn ich Tom endlich einen Diener und Sklaven gebe ...
Sie sagte das scheinbar gleichgültig, als wenn sie eine ganz natürliche Sache erwähnte, aber ich hatte das Gefühl, aus ihrem Ton noch etwas Unausgesprochenes herauszuhören ...