Manchmal versuche ich es, zu spötteln. Ich wiederhole mir brutal, daß ich Martha nur deswegen liebe, weil sie die einzige Frau auf dem Monde ist und nicht mir gehört; daß dieses erhabene Gefühl ein nur in dem Prisma des menschlichen Geistes gebrochener, grober tierischer Drang ist, und viele, viele ähnliche Dinge; aber nachdem ich mir das alles zum hundertstenmal gesagt habe, suchen meine Augen unwillkürlich Martha und ich fühle, daß ich mich freudig ans Kreuz schlagen ließe, wenn ich dadurch ein einziges heiteres Lächeln auf ihre Lippen zaubern könnte.

Fest eingewurzelt im Menschen, auch in der Wildnis, sogar auf einem anderen Globus, bleibt neben allerhand Instinkten auch das Gefühl des Rechts. Ich weiß nicht, ob das auf den Folgen der Erziehung oder auf einer angeborenen geistigen Organisation beruht, aber sicher ist, daß es in uns lebt und sich laut vernehmen läßt, sogar da, wo es niemanden gibt, der ihm sein Schweigen vorwerfen könnte.

Martha gehörte zu Peter. Ich war damit einverstanden gewesen, und dieser Gedanke, mag es sein wie es will, hielt mich von manchem zurück, was ich sonst vielleicht getan hätte. Ich bemühte mich, sie zu meiden, um meinen Verdacht vor mir selbst, daß ich mich ihr zu gefallen bemühte, zunichte zu machen. Übrigens suchte auch sie nicht meine Gesellschaft; ich bemerkte sogar, daß meine Gegenwart sie stets mit Unruhe erfüllte. Aber das alles hat sich seit der Geburt des jüngsten Mädchens geändert, da es nach dieser zum vollständigen Bruch zwischen Martha und Peter gekommen ist.

Zwei Mondtage nach der Geburt dieses Kindes, etwas vor Sonnenuntergang, saßen wir beisammen, was sehr selten vorkam, und schauten schweigend auf das weite Meer. Die untergehende Sonne vergoldete seine Fluten, die, leicht vom Winde bewegt, schon im Schatten der Felsen zu phosphoreszieren begannen. Der Schnee auf dem Gipfel des Otamor war vollständig blutig gefärbt, auf der schwarzen Rauchwolke, die über dem Krater hing, leuchteten ebenfalls dunkelrote Reflexe.

Martha unterbrach das Schweigen. Ohne ihre Stellung zu verändern, ohne uns die Blicke zuzuwenden, die irgendwo in weite Fernen starrten, begann sie zu sprechen, scheinbar ruhig wie immer, obwohl es mir nicht entging, daß ihre Stimme anfangs zitterte.

— Ich habe ein großes Verbrechen begangen, sagte sie, denn ich hielt meinem verstorbenen Manne die Treue nicht, und gern werde ich dafür büßen, Hunderttausende von Jahren in verschiedenen Verkörperungen ... Aber ihr wißt, daß ich es lediglich meines Sohnes wegen getan habe, in dem er selbst wiedergeboren ist und für mich lebt. Ich habe niemals daraus ein Hehl gemacht. Was ihr gedacht und welche Absichten ihr hattet, geht mich nichts an; ich wollte, daß Tom Schwestern und einen Bruder bekommt, er hat nun zwar keinen Bruder, aber drei Schwestern, und ich denke, daß ich meine Pflicht erfüllt habe ... Eine schwere Pflicht, du weißt es, Peter. Du tust mir leid, denn du täuschtest dich, daß du mir etwas mehr sein könntest ... Es ist nicht meine Schuld ... Aber jetzt hat alles ein Ende. Ich kehre wieder zurück zur Freiheit! Ich frage nicht, ob ihr ... ob du, Peter, sie mir geben willst: ich nehme sie mir selbst, ich bin nicht mehr dein Weib ...

Sie seufzte tief auf und verstummte.

Wir waren so überrascht, sowohl durch ihre Worte, wie auch durch die Art, wie sie sie hervorbrachte, daß wir eine Weile schweigend dasaßen, ohne eine Antwort finden zu können. Was sollte man ihr auch erwidern? Sie wartete ja nicht einmal darauf ... „Ich nehme mir die Freiheit ... Ich bin nicht mehr dein Weib“ ... Einen ungeheuren Eindruck haben diese Worte auf mich gemacht. Eine Zeitlang dröhnten sie mir in den Ohren wie die Losung eines neuen Lebens, wie das Versprechen von etwas, das ich nicht einmal zu erträumen wagte, wie ... Nein, ich kann es nicht mehr schildern, was in meinem Innern vorging! Es schien mir, als wenn dieser eine Satz all das Traurige, das an mir vorübergegangen, verwischte und vernichtete; in der Brust empfand ich eine Fülle, ein Glücksgefühl; das Blut jagte mir durch die Adern und meine Pulse flogen.

Ich blickte auf Martha.

Sie saß unbeweglich und still da, auf das Meer starrend, nur ein unsagbar trauriges Lächeln zuckte um ihre Lippen, als wenn sie weinen wollte.