Er lachte wie toll und stieß verschiedene unverständliche Worte hervor. Dann brach er plötzlich ab, wandte sich um und schritt zum Hause.
Martha stand eine Weile verwirrt da, mit einem Ausdruck des Widerwillens und der Demütigung in den Zügen, bis ihr endlich die Nerven den Gehorsam verweigerten und sie in ein lautes Weinen ausbrach — zum erstenmal seit damals, als sie Peters Weib wurde.
Ich entfernte mich schweigend, noch niedergedrückter als gewöhnlich.
Die lange, vierzehntägige Nacht verbrachten wir fast ohne miteinander zu sprechen. Am andern Tage nahm scheinbar alles seinen alten gewohnten Lauf. Wir machten uns sofort am Morgen an die üblichen Tagesbeschäftigungen, sprachen sogar zusammen wie früher, die „Scheidung“ nicht erwähnend, die sich seit jenem Abend tatsächlich vollzogen hatte. Die bisherigen Beziehungen zwischen Peter und Martha waren derart, daß wir alle ihren Bruch als eine Erleichterung empfanden. Ich bemerkte vor allem eine vorteilhafte Veränderung in Marthas Stimmung. Ich will nicht sagen, daß sie heiterer war, aber der Druck, der immer auf ihr gelastet hatte, war verschwunden. Sie sprach freimütiger mit uns, war sogar zu Peter freundlicher, obwohl er die herzlichen Worte, die sie an ihn richtete, so brutal von sich wies.
Und was ging in ihm vor? Das wird mir wahrscheinlich immer ein Rätsel bleiben.
Scheinbar hatte er alles gleichgültig hingenommen, und das widerwärtige Lachen an jenem Abend, als Martha den Bruch herbeiführte, war die einzige Äußerung seiner verborgenen Gefühle. Und dennoch, wie viel Leid, wie viel Demütigung und Schmerz mußte sich in der leidenschaftlichen Seele dieses Mannes angehäuft haben! Und welche Kraft des Willens gehörte dazu, um all das herunterzuwürgen und in sich zu verschließen! Denn er liebte sie trotz alledem — und liebt sie bis zu diesem Augenblick; in dieser Beziehung hege ich absolut keinen Zweifel.
Am ersten Tag nach der Trennung kam er gegen Mittag zu mir, als ich gerade von einem Ausflug auf das Meer zurückkehrte und das Boot an einem Pfahl am Strande festband. Eine Zeitlang ging er unruhig auf und ab, als wenn er mir etwas sagen wollte, aber er fand anscheinend die Worte nicht. Dann, als wenn er plötzlich einen Entschluß gefaßt hätte, packte er mich bei der Hand und sagte, mir scharf in die Augen sehend:
— Erinnerst du dich an das Versprechen, das du mir damals, als ich Martha nahm, gegeben hast ...
Ich blickte ihn erstaunt an und wußte noch nicht, wo er hinauswollte.
— Du hast mir damals versprochen, daß du dich niemals darum bemühen willst, Martha für dich zu gewinnen — niemals! Erinnerst du dich?