Sie streckte die Hand nach mir aus:

— Du bist gut, mein Freund, flüsterte sie, nun kann ich ruhig sterben, weil ich weiß, daß du sie nicht verlassen wirst.

Ich ergriff ihre Hand und preßte sie leidenschaftlich an die Lippen. Ihre Finger zitterten leicht, als wenn sie meine Hand drücken wollte. Eine so eisige Kälte entströmte ihnen, daß meine heißen Lippen sie nicht mehr erwärmen konnten.

— Ich wollte dir, begann sie nach einer Weile, noch vor dem Tode sagen, daß du mir ... teuer warst. Ich machte mir darüber größere Vorwürfe, als daß ich Peters Weib wurde ... Vielleicht, wenn ich dir angehört hätte, statt ihm, vielleicht wäre mein Leben auf dem Monde in eine andere Bahn gelenkt, glücklicher und länger gewesen ...

Sie sagte das alles ruhig, mit einer sanften, erlöschenden Stimme, in mir aber erhob sich ein Sturm; ich heulte weinend auf und ihre Hände sinnlos mit Küssen bedeckend, brachen aus meiner Brust von Tränen erstickte, unzusammenhängende Worte der Liebe hervor — der Liebe, die ich so lange verbergen und zurückhalten mußte und die jetzt mit Allgewalt überschäumte, gegenüber der Sterbenden.

Sie neigte sich leise zu mir und legte die Hand auf mein Haupt.

Ruhig, sagte sie, ruhig ... Ich weiß ... Weine nicht ... es ist so besser ... Du warst mir teuer durch deinen Edelmut, durch deine Liebe für Tom, ich weiß es selbst nicht, wodurch ... Aber trotz alledem, vielleicht wäre ich nicht gut zu dir gewesen, wenn du zwischen mich und den Verstorbenen getreten wärst, der allein ein Recht auf mich hatte. Ruhig, weine nicht, du weißt es schon. Ich denke, daß Tomas es mir verzeihen wird, daß ich das für dich fühlte und es dir jetzt in der Todesstunde sage.

Ich war maßlos unglücklich.

Sie verstummte erschöpft, und ich, mein Gesicht an ihrer Brust verbergend, zitterte am ganzen Körper, von einem inneren Schluchzen geschüttelt.

Martha versuchte abermals zu sprechen: