Peter beobachtete sie und trat an mich heran:

— Du hast ihr versprochen, er deutete mit einer Bewegung auf Martha, für alle Kinder zu sorgen ... für alle! In gleicher Weise ... Bevor ich, durch diese seltsamen Worte überrascht, antworten konnte, war er nicht mehr im Zimmer.

Durch die am Fenster vorübergleitenden Nebel drang schon der erste Sonnenstrahl, verwandelte die obern Scheiben in Stücke leuchtenden Goldes und eilte in hellen Lichtgarben durch die dumpfe Atmosphäre des Zimmers. Martha lag regungslos, mit erlöschendem Blick in den Streifen des Sonnenlichts starrend, der immer tiefer herunterglitt an der Wand und sich wie ein herabsteigender Engel ihrem Bette näherte. Die Mädchen schlichen auf den Fußspitzen heran und schauten erstaunt auf die blassen, unbeweglichen Züge der Mutter.

Mir war es schwül; im Munde fühlte ich eine trockene Bitterkeit. Dieser anbrechende Tag kam zu mir wie ein erbarmungsloser, schmerzlicher Hohn, denn ich wußte, daß mit ihm eine endlose Leere und ein Bangen nach der Vergangenheit beginnt. Die Minuten flossen in Schweigen dahin ...

Plötzlich schrie Tom:

— Onkel, Onkel, ich ängstige mich! Mütterchen blickt so furchtbar!

Ich wandte mich um: ein Lichtstrahl, der auf das Kissen fiel, erleuchtete Marthas Züge; die verglasten, erloschenen Augen starrten in die Sonne.

— Eure Mutter ist gestorben, sagte ich mit einer würgenden, mir selbst fremden Stimme zu den Kindern, die sich erstaunt und verängstigt um das Lager drängten. Dann beugte ich mich über sie, um ihre Augenlider zu schließen.

In demselben Moment ertönte ein Schuß.

Ich stürzte zur Tür: Peter lag im benachbarten Zimmer am Boden, mit zerschmettertem Schädel, den rauchenden Revolver in der Hand.