Ich sehne mich nach den Träumen. In ihnen wandle ich auf der Erde und küsse voll Rührung ihre Bäume und Blumen, sogar den Staub und die Steine, und es ist mir dann, als hätte mich niemals das wahnsinnige Verlangen nach Erkenntnis, der Wunsch, die Geheimnisse des sternenbesäten Weltenraumes zu erforschen, von ihr fortgerissen.

Manchmal auch kommen sie zu mir, die verstorbenen Kameraden. Voran geht der greise O’Tamor und beschuldigt sich, er, der die Güte selbst war, daß er uns leichtsinnig auf diesen öden Globus, der wie eine Lampe für die Erde zwischen den Himmeln hängt, hinausgeführt hat. Dann sehe ich die Remogners. Sie beklagen sich, daß sie uns gefolgt sind und dadurch den Tod gefunden hätten. Woodbell erscheint blaß und fragt, was wir mit Martha getan haben. Ob sie glücklich mit uns war. Und Peter erzählt mir im Traum alles, was ich in den letzten Jahren seines Lebens aus seinen Augen gelesen habe: von seiner wilden, leidenschaftlichen Liebe zu Martha, die ihn verzehrte wie das Feuer eine Handvoll Holzspäne, von dem furchtbaren Schicksal, das ihm nicht einen einzigen Augenblick des Glücks gegeben hat! Wie er die langen Jahre hindurch nur Ekel, Widerwillen und Verachtung in dem angebeteten, so heiß begehrten Weibe erwecken konnte. Wie er all seine Liebe in sich ersticken, allen Schmerz hinunterwürgen mußte, wie sich die beleidigte Manneswürde in ihm aufbäumte. Er erzählt mir, was in jener letzten Nacht in seiner Seele vorgegangen ist, als er mich, das Gesicht an ihrer Brust verborgen, sah, und später, als er den Revolver an die Schläfe setzte.

Diesen traurigen Geisterreigen beschließt Martha. Sie erscheint mir — still, mit einem schmerzlichen Lächeln auf den Lippen — und dankt mir, daß ich ein Mensch war, und manchmal will es mir wieder scheinen, als mache sie mir einen Vorwurf, daß ich es nicht war ... Mein ganzes Innere ist ein Abgrund von Leid und Trauer ...

So sprechen die Geister mit mir. Und obwohl sie mir nichts Frohes zu sagen haben, ist es mir doch heimatlich mit ihnen und heimlich und gut zumute, weil sie meinem Herzen nahe stehen.

Das neue Mondgeschlecht, das um mich heranwächst, ist so anders. Es sind noch Kinder und dennoch fühle ich, daß sie schon jetzt eine besondere Welt für sich bilden, die mir, dem von der Erde Gekommenen, immer fremd sein wird, wie meine Welt ihnen, den auf dem Monde Geborenen, verschlossen ist.

Und doch muß ich, der Bruder dieser sechs Gräber, die auf dem Monde verstreut liegen, mit denen leben, für die dieser Globus die Heimat ist — und wer weiß, wie lange noch ... wie lange ...

Ende des zweiten Teiles.

Dritter Teil

Das neue Geschlecht.

I.