Und so bin ich vereinsamt unter ihnen!

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Es ist Nacht. Ich kann leider nicht dreihundert Stunden hintereinander schlafen wie diese Mondleutchen, und bin nun allein mit meinen trüben Gedanken.

Ich sitze verlassen in dem alten Hause, das ich einst mit Martha und Peter erbaut habe; am Tage schleichen diese Zwerge um den Teich herum und schauen mir neugierig zu. Obwohl sie mich seit ihrer Kindheit kennen, wagt es keiner von ihnen, zu mir hereinzukommen. Nur Ada erscheint regelmäßig zu bestimmten Tageszeiten, bringt mir meine Nahrung, ordnet was notwendig ist, und wenn sie mich zu Hause antrifft, stellt sie mir immer dieselben gleichgültigen Fragen; dann sitzt sie noch einige Stunden schweigend auf der Schwelle und entfernt sich, mich wieder meinen Gedanken überlassend.

Es scheint, daß sie diese Besuche als eine Art Pflicht mir gegenüber und gewissermaßen als Zeremonie, die dem „Alten Menschen“ gebührt, auffaßt.

Diese Frau, die scheinbar vollständig klar und bei Sinnen ist, lebt in einem seltsamen Wahn. Sie hält mich für ein übermenschliches Wesen, das diese Mondwelt beherrscht, und bildet sich ein, meine Priesterin und die Prophetin dieses Volkes zu sein, das unerschütterlich an sie glaubt.

Sie verkündet den Kindern Toms eine neue phantastische Religion, die sich aus der Heiligen Schrift, meinen Erzählungen von der Erde und unserer Ankunft hier zusammensetzt. Anfangs versuchte ich, auf alle erdenkliche Art der Verbreitung dieser Irrlehren, in deren Mittelpunkt ich selber stehe, entgegenzuarbeiten, aber ich überzeugte mich schließlich, daß ich in dieser Beziehung vollständig machtlos bin. Ich setzte Ada lang und breit auseinander, daß ich genau derselbe Mensch sei wie all die andern auf dem Monde und wie auch ihre Eltern es gewesen, an die sie sich ja noch erinnern müsse. Ich versuchte ihr klar zu machen, daß meine der späteren Generation überlegene Kraft und Körpergröße nur darin ihren Grund haben, daß ich auf einem anderen, größeren Planeten, nämlich auf der Erde geboren bin. Sie hörte aufmerksam und schweigend zu, und als ich endlich ungeduldig wurde, flüsterte sie, mich mit einem flüchtigen Lächeln streifend:

— Und wie konntest du, Alter Mensch, von der Erde hierher gelangen und meine Eltern hierher bringen, was kein anderer gekonnt hätte? Woher weißt du, was kein anderer weiß? Und vor allem, warum stirbst du nicht wie die andern?

Ich schalt sie und verbot ihr ein für allemal, derartige Märchen von mir zu verbreiten, aber alles war vergebens. Einige Stunden später hörte ich, wie sie zu Jan, der jetzt der Mondpatriarch ist, und der gerade zu mir gehen wollte, sagte:

— Der Alte Mensch ist unwillig; der Alte Mensch will nicht, daß man wisse, daß er ... ein Alter Mensch ist.