Jan wurde traurig.
— Das ist schlimm, das ist sehr schlimm, denn ich wollte ihn gerade bitten, einen Stein unter mein Haus zu schieben, den ich mit meinen Söhnen zusammen nicht von der Stelle bringen kann.
— Man muß ihn durch Bitten umstimmen, sagte Ada. Bringt nur viel Schnecken, Salat und Bernstein, das werde ich ihm geben. Und vor allem, — hier legte sie den Finger an den Mund — sprecht nichts vor ihm! Wehe! Denn er will es nicht.
Ich trat aus der Ecke, von der aus ich der ganzen Unterredung zuhörte, hervor, machte Ada abermals Vorwürfe und begab mich zu Jans Haus, um ihm den Dienst zu erweisen, von dem er gesprochen hatte. Beim Fortgehen hörte ich noch, wie Ada dem bekümmerten „Patriarchen“ zuflüsterte:
— Siehst du, er hört und weiß alles!
Wie ist in Adas Gehirn dieser Wahnsinn entstanden? Ich weiß es nicht, bin aber fest überzeugt, daß er den Inhalt ihres ganzen Wesens bildet und der Grund des großen Ansehens ist, das sie unter dem Mondvolke genießt. Rosa und Lilli fürchteten sie, so lange sie lebten, ja sogar Tom, der ihr gegenüber nicht immer zum Nachgeben geneigt war, zitterte vor ihr. Heute würden seine Kinder es nicht wagen, sich irgendeinem ihrer Befehle zu widersetzen. Mich empört es, daß sie diese Verwirrung in den armen Köpfen der bedauernswerten Zwerge anrichtet und gleichzeitig empfinde ich das innigste Mitleid mit ihr, denn ich fühle, daß sie in ihrem Irrsinn lichte Momente hat, während deren sie sich anscheinend klar darüber ist, daß sie in Hirngespinsten lebt, und dadurch entsetzlich leidet ...
Ich erinnere mich an einen Vorfall, der mir das so recht zum Bewußtsein brachte: Es war bereits nach Mitternacht, als Ada zu mir kam. Ich staunte über ihren Besuch zu so ungewöhnlicher Zeit, vor allem der empfindlichen Kälte wegen, während der man das Haus des Nachts nicht gut verlassen konnte.
Sie traf mich über ein Buch geneigt und da sie mich nicht zu unterbrechen wagte, setzte sie sich still auf eine Bank in der Ecke des Zimmers. Ich sah, daß sie mit mir sprechen wollte, aber ich tat absichtlich, als wenn ich sie nicht bemerkte. Ada saß eine Zeitlang schweigend da, bis sie sich mir endlich näherte und leise, ganz leise meine Schulter mit der Hand berührte:
Ich wandte mich schnell zu ihr; so hatte sie mich noch niemals angeredet. Sie nannte mich immer nur „Alter Mensch“, und als ich jetzt das Wort Herr hörte, stiegen geteilte Empfindungen in mir auf. Halb war es Freude darüber, daß jemand in altgewohnter menschlicher Weise zu mir sprach, und andererseits empörte mich wiederum diese Anrede.