Ich trinke, verschlinge mit der ganzen Seele dein Licht! Berausche mich mit deinem gesegneten Lichte!
Dein Licht, zurückgeworfen vom Lasurblau der Meere, von schneeigen Gipfeln und grünen Gefilden, von den kleinen schimmernden Blättern der Bäume, von blühenden Kelchen, vom Tau, der auf den Wiesen dort leuchtet, von Bauernhütten und von ragenden Türmen der Kirchen, von menschlichen Zügen, die in Nachdenken versunken zum Himmel schauen, Hunderttausende von Meilen hat es durchflogen, durch die ewige Wüste zu mir eilend, und ist mir jetzt alles: das Lasurblau deiner Meere und das Grün deiner Fluren, des Taues Glanz, wie der Blumen prächtigste Farbe und des menschlichen Geistes Widerschein, der sich in den zum Himmel gewandten Augen spiegelt!
O Erde, meine Erde!
Wann wird mein Geist, von der körperlichen Hülle befreit, endlich auf diesen leuchtenden Saiten, die zwischen dir und der furchtbaren Welt hier gespannt sind, zu deinem Mutterschoß zurückgelangen und in balsamischen Lüften alles mit Küssen bedecken, was er geliebt und wonach er sich so grenzenlos sehnt!
O Erde!
VI.
Ich habe seltsame Ahnungen, daß ich bald sterben werde. Dieser Gedanke umkreist mich beständig; die Luft ist voll von ihm und die blutigen Sonnenstrahlen, der Himmel erscheint gleich einem weichen Schleier, und die Erde leuchtet wie eine silberne Lampe im Grabe. Niemals fühlte ich so wie jetzt, daß der Tod nahe ist.
Ohne Schmerz, ohne Leid und ohne Unruhe denke ich daran, aber — was erstaunlicher ist — auch ohne Freude, die doch die endlich nahende Erlösung in mir erwecken müßte ...
Es scheint, daß mir noch etwas zu tun übrig bleibt, etwas ungemein Einfaches und ungeheuer Wichtiges, worauf ich jedoch nicht kommen kann. Und das bedrückt mich, und das ist die Ursache, daß ich ihn nicht mit Freuden begrüße — den Tod-Erlöser!
Im Traume höre ich, wie sie mich rufen von der Erde. Und ich, ebenfalls im Traume, antworte ihnen jedesmal: Ich sehne mich so maßlos danach, zu euch zu gehen, aber ich finde mich nicht zurecht ...