Die Arbeit war überaus mühsam, besonders dadurch, daß ich niemanden zu Hilfe nehmen wollte. Meine Annahmen waren höchst unsicher und, wie ich zugeben muß, zu — phantastisch, als daß verfrüht etwas darüber verlauten durfte.

Ich bemerkte, daß die Spitze der Kugel eine Schraube bildete, die man aufdrehen mußte und befestigte sie also in einem starken Schraubstock, um sie vor einer Erschütterung zu bewahren, die ihren Inhalt beschädigen könnte. Die Schraube war verrostet und wollte nicht nachgeben. Nach langen Anstrengungen gelang es mir endlich, sie zu bewegen. Bei diesem ersten Kreischen der gedrehten Schraube erfaßte mich ein Freudentaumel, und zugleich schnürte mir eine beklemmende Angst die Kehle zu. Ich mußte die Arbeit unterbrechen, da mir die Hände zitterten; erst nach einer Stunde konnte ich sie, immer noch mit klopfendem Herzen, wieder aufnehmen.

Die Schraube bewegte sich langsam, als ich plötzlich ein seltsames Zischen vernahm. Anfangs konnte ich seine Ursache nicht begreifen. Fast gedankenlos drehte ich in umgekehrter Richtung, und sofort hörte das Zischen auf; drehte ich wieder in der ersten Weise, begann es von neuem, obwohl es jetzt etwas schwächer war. Endlich begriff ich alles! Das Innere der Kugel war vollständig leer! Das Zischen entstand durch das Eindringen der Luft vermittels einer Öffnung, die sich durch die Lockerung der Schraube gebildet hatte.

Dieser Umstand bestärkte mich in der Überzeugung, daß die in der Kugel vermutlich eingeschlossenen Dokumente nicht ganz vernichtet sein dürften, da das Fehlen der Luft sie vor der Verbrennung bewahrt haben mußte, als die Kugel, bei ihrem Fall durch die Erdatmosphäre, erglühte! Bald stellte sich auch die Richtigkeit meiner Annahme heraus. Nach Beseitigung der Schraube fand ich in der Kugel, deren innere Wände mit einer Schicht gebrannten Lehms ausgelegt waren, ein Päckchen verkohlter, aber nicht verbrannter Papiere. Ich wagte fast nicht zu atmen, aus Furcht, die wertvollen Schriften zu beschädigen. Ich nahm sie mit der größten Vorsicht heraus und ... war verzweifelt. Auf dem verkohlten Papier waren die Buchstaben fast unsichtbar und dieses Papier selbst so mürbe, daß es mir beinahe in der Hand zerfiel.

Trotzdem beschloß ich, alles daranzusetzen, um das Werk zu Ende zu führen und den Inhalt des Manuskriptes zu entziffern. Einige Tage dachte ich darüber nach, wie ich das bewerkstelligen solle. Endlich flüchtete ich mich zu den Röntgenstrahlen. Ich nahm, wie es sich später zeigte, richtig an, daß die Tinte, deren man sich zum Schreiben bediente, mineralische Bestandteile enthielt und infolgedessen die mit ihr überschwärzten Stellen den Röntgenstrahlen einen größeren Widerstand leisten würden, als das verkohlte Papier selbst. Ich klebte vorsichtig jedes Blatt des Manuskripts auf eine dünne Haut, die ich in einen Rahmen gespannt hatte und machte photographische Aufnahmen mittels Röntgenstrahlen. Auf diese Weise erhielt ich Klischees, die nach der Übertragung des Bildes auf das Papier eine Art von Palimpsesten ergaben, wo die Buchstaben auf beiden Seiten des Papiers geschrieben, sich miteinander verbanden. Es war so zwar schwierig, aber durchaus nicht unmöglich abzulesen.

Nach einigen Wochen war ich mit dem Entziffern der Aufzeichnungen so weit vorgeschritten, daß ich keinen Grund mehr sah, die Angelegenheit weiter zu verheimlichen und schrieb den ersten Artikel, der über den Vorfall berichtete ... Heute liegt das ganze Manuskript vor mir bereit, geordnet und abgeschrieben, und ich hege absolut keinen Zweifel, daß es von einem der fünf zuerst ausgesandten Expeditionsmitglieder auf dem Monde verfaßt und von dort aus auf die Erde gesandt wurde.

Was das Weitere betrifft, so mag der Inhalt der Aufzeichnungen für sich selbst sprechen.“

Dieser Erklärung, die der Veröffentlichung des Manuskriptes vorausging, fügte der Assistent einen kurzen Bericht über die Vorgeschichte der damaligen Expedition bei.

Er erinnerte daran, daß der Gedanke von dem irländischen Astronomen O’Tamor ausgegangen war, der einen glühenden Anhänger in dem jungen, seinerzeit in Brasilien berühmten portugiesischen Ingenieur, Peter Varadol, fand. Diese beiden gewannen einen dritten Kameraden, den Polen Jan Koretzki, der ihnen sein ganzes, ziemlich bedeutendes Vermögen zur Verfügung stellte. Darauf unternahmen sie die ersten Schritte zur Verwirklichung des schon festgelegten Planes. Man unterbreitete den Akademien und wissenschaftlichen Instituten die Skizzen des Projektes und wandte sich dann an Fachautoritäten betreffs Ausarbeitung der Einzelheiten. Die Idee rief Begeisterung hervor; in kurzem beschäftigten sich nicht nur Fachleute damit, sondern die ganze zivilisierte Welt, die ihre Vertreter auf den Mond auszusenden begehrte, um Näheres über diesen Globus zu erfahren. Auf Antrag der Akademien und astronomischen Stationen sprangen die Regierungen mit finanzieller Hilfe bei und da es auch an privaten Opfern nicht fehlte, hatten die Initiatoren bald ein Kapital zur Verfügung, das zur Ausrüstung mehrerer Expeditionen genügte, von denen aber, wie bekannt, nur zwei ausgesandt wurden.

Die Besatzung des ersten Projektils sollte aus fünf Personen bestehen, darunter O’Tamor, der den Gedanken ins Leben gerufen, und seine beiden Kameraden. Der vierte war der englische Arzt Tomas Woodbell, der fünfte Braun, ein Deutscher, der jedoch im letzten Augenblick zurücktrat; statt seiner meldete sich ein Unbekannter als Teilnehmer der Expedition. In das zweite Projektil hatten sich zwei Franzosen eingeschlossen, die Brüder Remogner.