In nicht ganz einer halben Stunde waren wir an der Stelle, an der das Projektil nach einigem Abprallen herabgefallen war. Ein entsetzlicher Anblick bot sich unseren Augen: Inmitten der zerstreuten Trümmer des zerschmetterten Projektils lagen zwei blutige, zermalmte Leichen.

Zitternd vor Aufregung legten wir die Luftbehälter an und nachdem wir sie mit dem Reste unseres Vorrates gefüllt hatten, gingen wir aus dem Wagen. Unsere Erschütterung, unser Beben wurde — wozu es verheimlichen! — weniger durch den furchtbaren Tod der Freunde, als vielmehr durch die Angst hervorgerufen, daß ihre Luftbehälter bei der Katastrophe beschädigt worden sein könnten.

Zwei waren in der Tat zerplatzt und lagen leer inmitten der zertrümmerten Metallplatten, aber vier von ihnen blieben unversehrt.

Wir waren gerettet!

Ein Freudentaumel erfaßte uns, der wenig im Einklang stand mit dem Entsetzlichen, das uns umgab und dennoch — wir waren dreihundertfünfzig endlose Stunden dahingestorben und erfuhren in diesem Augenblick, daß wir leben werden!

Nachdem wir uns bezüglich unseres Schicksals versichert hatten, konnten wir erst über das furchtbare Los, das die Brüder Remogner getroffen, nachdenken. Was uns errettete, ward die Ursache ihres Todes! Ein reiner Zufall — eine Ungenauigkeit in der Berechnung, ließ sie hier vor uns niederfallen, statt auf dem Mittelpunkt der Mondscheibe, die in diesem Augenblick gegen tausend Kilometer von uns entfernt ist. Dieser Zufall, der uns mit Luftvorräten versorgte, hat sie getötet. Sie fielen, in dieser Gegend herabkommend, nicht senkrecht auf die Mondoberfläche, sondern im Winkel. Das Projektil schlug daher mit der Seite auf den Boden, wo es nicht durch ein Stahlgerüst geschützt war und einige Male abprallend, mußte es endlich zerschmettern. Wir schauderten bei dem Gedanken, daß uns dasselbe hätte widerfahren können ...

Nachdem wir die Leichen sorgfältig zwischen den Steinen begraben hatten, machten wir uns an ihren Nachlaß. Wir haben alles aus den Trümmern hervorgesucht, was uns irgendwie von Nutzen sein konnte; vor allem die kostbaren Behälter mit verdichteter Luft, die wir in unseren Wagen hinübertrugen, wie auch die Nahrungsmittel, Wasservorräte und einige weniger beschädigte Instrumente. Mit klopfendem Herzen suchten wir nach ihrem telegraphischen Apparat, in der Hoffnung, daß er vielleicht stark genug sein würde, uns mit den Erdbewohnern in Verbindung zu setzen. Diese Hoffnung erwies sich jedoch als trügerisch. Der Apparat wurde bei der Katastrophe beschädigt. Dasselbe war mit der Mehrzahl der astronomischen Instrumente der Fall. Den Motor des Wagens nahmen wir mit, obwohl er stark gelitten hat.

Welch unbeschreibliches Glück für uns, daß gerade die kupfernen Luftbehälter diesem entsetzlichen Anprall getrotzt haben.

Nachdem wir den Nachlaß der bedauernswerten Brüder Remogner an uns genommen hatten, traten wir unverzüglich die Weiterreise nach Norden an, da die Glut, die durch die Kühle während der Sonnenfinsternis unterbrochen wurde, wieder stärker einsetzte und wir irgendeine Erhebung finden mußten, die uns Schatten gewährte.

Hier erst, zwischen den Kratern c—d, blieben wir stehen.