Ungefähr um Mitternacht setzten wir unsere Fahrt von den Drei Köpfen aus fort. Der Weg war außerordentlich beschwerlich, vor allem, weil wir jeden Augenblick in den Schatten kleiner Bodenerhebungen gerieten. Mehrere Male im Verlauf einer Stunde mußten wir anhalten und mit Hilfe des elektrischen Lichts das Terrain erforschen oder auch Messungen vornehmen bezüglich des Höhenstandes der Sterne, die jetzt der einzige Wegweiser für uns sind. Es ist unmöglich, etwas zu erkennen, mit Ausnahme der allgemeinen Linien. Und dennoch ... Vielleicht gerade deswegen ...

Im Verlauf von dreißig Stunden haben wir kaum etwas mehr als vierzig Kilometer zurückgelegt. Endlich gelangten wir zu einem eigenartigen grauen, einer Sandbank gleichenden Streifen. Er zieht sich auf der Strecke nach Nordwesten in einem leicht gekrümmten Bogen und hebt sich mit seiner helleren Farbe von dem dunklen Untergrund der Steinwüste ab. Soweit ich beim Licht der Erde sehen kann, endet er bei einer sonderbaren Felsengruppe, die von weitem einer phantastischen Burg oder einer Stadt ähnlich sieht. Einer Stadt? ...

Wir fahren weiter, längs diesem Streifen, der einen bedeutend gleichmäßigeren Weg für uns darstellt, als die mit Steinen übersäte Wüste und nicht zu sehr von der gesteckten Richtung abbiegt. Wir kommen ziemlich schnell vorwärts und jene von ferne gesehene Felsengruppe tritt immer deutlicher hervor. Jetzt kann man schon die einzelnen Teile erkennen, die durch ihre sonderbare Formation die Täuschung von Turmruinen und Gebäuden hervorrufen. Ich weiß nicht, was ich von alledem denken soll. Ich bemühe mich, darüber klar zu werden ... wahrhaftig, es ist zu seltsam! Eine fast abergläubische Furcht überkommt mich ... Sollte das ...

Dritter Tag, sechsunddreißig Stunden auf Mare Imbrium.

Barmherziger Himmel! Wenn wir Tomas verlieren ... Er war durch das erste Fieber schon so erschöpft und nun abermals ... O Gott, rette ihn, denn wir werden sonst ... diese Totenstadt ...

Neunundfünfzig Stunden nach Mitternacht auf Mare Imbrium am Pico, 9° 12 ’westlicher Länge, 45° 27’ nördlicher Mondbreite.

Ich sammle meine Gedanken. Ich muß sie endlich niederschreiben.

Ich erinnere mich — als ich gerade die letzten Notizen beendet hatte, blickte ich auf die phantastischen Ruinen oder Felsengruppen und rief unwillkürlich:

— Das sieht doch wirklich wie eine Stadt aus!

Tomas, der die ganze Zeit hindurch am Fenster stand und mit steigendem Interesse die näherkommenden Felsen beobachtete, wandte sich auf meine Worte schnell zu mir. In seinen Zügen malte sich eine starke Erregung.