— Ich glaube, du hast recht, sagte er ernst, mit leicht vibrierender Stimme. Das kann in der Tat eine Stadt sein ...
— Was!?
Wir stürzten alle ans Fenster, nach den Fernrohren greifend. Sogar Peter verließ das Steuer, nachdem er den Wagen angehalten hatte, um die seltsame Erscheinung zu beobachten. Tomas streckte die Hand aus ...
— Seht, seht, sagte er, dort nach rechts. Das sind doch Trümmer eines Steintores. Man sieht die beiden Säulen und oben hält sich noch das Stück eines Bogens ... Oder hier, — ist das nicht ein Turm, zur Hälfte zerfallen? Und dort, seht nur, ein mächtiges Gebäude, mit einer niedrigen Säulenreihe vorn und zwei stumpfen Pyramiden zur Seite. Ich bin überzeugt, daß diese scheinbare Klamm, die stellenweise mit Steinen übersät ist, eine Straße war ... Jetzt ist alles zertrümmert und starr ... Eine Totenstadt.
Ich kann das Gefühl nicht beschreiben, das sich meiner bemächtigte.
Je länger ich hinsah, desto geneigter war ich, zu glauben, daß Tomas recht hatte. Vor meinen Augen wuchsen immer neue Türme, Bogen und Säulen, Teile eingefallener Mauern und steinübersäte Straßen. Das Licht der Erde färbte diese phantastischen Ruinen in zarten Silberton; aus einem schwarzen See sprangen geheimnisvolle Schatten empor — wie Geistererscheinungen. Ein kalter Schauer durchlief mich. Ein Mond-Pompeji und Herculanum, nur nicht aus dem Sande herausgegraben, sondern im Sande zerfallen, furchtbarer, mächtiger, viel mehr Tod in dieser ungeheuren Einsamkeit und in diesem seltsamen Lichte.
Varadol zuckte die Achseln und murmelte:
— Ja, das ist wahrhaftig Trümmern verteufelt ähnlich ... diese Felsen ... Aber hier war doch niemals ein lebendes Wesen.
— Wer weiß, antwortete Tomas. Heute hat diese Seite des Mondes weder Luft noch Wasser, aber sie konnte beides haben, einst, vor Jahrtausenden, als sich der Mondglobus noch schneller drehte und die Erde auf- und unterging an seinem Himmel ...
— Das ist möglich, flüsterte ich in tiefem Nachdenken.