— Die Brüder Remogner, antwortete der Kranke, verstummte und schloß die Augen, als wenn er den Tod erwartete.
Ich sprach nicht weiter mit ihm und hatte nicht einmal Zeit, über die Bedeutung dieser seltsamen Worte nachzudenken, da ich mit Peter beraten mußte, was jetzt zu tun sei. Wir zogen schon eine Rückkehr auf das Mare Imbrium in Erwägung, als Peter auf die glückliche Idee kam, mit Hilfe des starken Reflektors den Boden der Spalte zu beleuchten und uns über ihre Tiefe zu vergewissern. Nachdem wir uns dem Rand genähert hatten, warfen wir also einen Strahl des elektrischen Lichtes in die Spalte, die an dieser Stelle ziemlich eng und nicht tief war. Ihr Boden zeigte sich ganz von Schutt angefüllt, aus dem mächtige Felsstücke hervorragten, eine Erscheinung, die uns an das ausgetrocknete Bett eines mächtigen Gebirgsstromes gemahnte. Und wer weiß, ob hier nicht tatsächlich einmal Wasser geflossen, den Weg ausnützend, der durch andere Kräfte gebildet ward?
Der Schein des Reflektors glitt über die schwarzen, sich wild übereinandertürmenden Felsen, flammte auf und verlor sich in tiefen, unregelmäßigen Zerklüftungen. Wir standen immer noch ratlos, ohne zu einem Entschluß zu kommen, als sich Martha uns näherte.
— Warum fahrt ihr nicht weiter? fragte sie in einem Tone, als wenn sie uns einen Befehl erteilte.
Und dann fügte sie, auf Tomas deutend, hinzu:
— Ich muß leben, für ihn ... Um meinetwillen braucht ihr jetzt nichts zu befürchten ...
Wir sahen sie erstaunt an. Was ist mit ihr geschehen? So hatte sie niemals zu uns gesprochen. Ihre Augen leuchteten seltsam; in der ganzen Gestalt, in den Worten und in der Bewegung lag eine Würde, eine selbstbewußte Hoheit. Oh, wie schön ist dies Weib und wie begehrenswert! ... Varadol betrachtete sie mit flammenden Blicken! Da packte mich plötzlich eine rasende Wut. Ich rüttelte ihn brutal bei der Schulter und schrie:
— Siehst du nicht, daß wir keine Zeit zu verlieren haben! Fahren wir zurück oder vorwärts?
Peter wandte sich hastig zu mir und wir maßen uns eine Weile, wie bereit, uns gegenseitig an die Gurgel zu springen. Ein halblautes, höhnisches und verächtliches Lachen Marthas ließ sich vernehmen. Ich hatte das Gefühl, als wenn sich mir ein Igel mit hundert Stacheln ins Herz bohrte. Wir ließen beide beschämt den Blick sinken. Mir scheint, daß ich dies Weib zu hassen beginne.
Endlich beschlossen wir, uns in die Spalte hinabzulassen und sie, die am Boden zerstreuten Steine benützend, zu überklettern. Das war freilich leichter gesagt als getan. Nachdem wir an einer Stelle dicht unter der östlichen Wand des Quertales einen schrägen Abhang entdeckt hatten begannen wir den Wagen mit der größten Vorsicht dort hinabgleiten zu lassen. Die Hauptschwierigkeit jedoch wartete unserer auf dem Boden der Spalte. Bis hierher konnte weder das Licht der Sonne noch das der Erde dringen, so daß wir uns in vollständiger Nacht befanden. Es ist mir unmöglich, die Mühen zu schildern, die uns der Weg über diese paar hundert Meter kostete. Der Reflektor der elektrischen Lampe erleuchtete nur einen schmalen Streifen vor uns; es war fast ausgeschlossen, sich zu orientieren. Abwechselnd ging einer von uns zu Fuß voraus, während der zweite beim Steuer blieb. Der Wagen schaukelte, sprang in die Höhe, schlug an die Felsen oder senkte sich; einmal blieb er sogar so stecken, daß wir daran zweifelten, ihn wieder loszubekommen. Endlich gelangten wir an die gegenüberliegende Seite der Spalte. Zum Glück neigte sich hier der Boden ein wenig, so daß wir auf der so entstandenen Senkung mit Hilfe der „Tatzen“ hinaufklettern konnten.