— Und was haben sie gesprochen? stieß ich unwillkürlich hervor.

— Wozu sollt ihr das wissen, sagte er. Es ist genug, daß ich es hören mußte, oh, mehr wie genug, mehr wie genug! ... Sie sagten mir wie ich sterben würde und wie ihr sterben werdet, ihr — beide ... Sie bezeichneten Tag und Stunde ... Und sie sagten weiter, daß man nicht ungestraft die Erde verläßt und in die Geheimnisse zu dringen versucht, die dem menschlichen Auge verborgen sind. Sie sagten, es wäre besser gewesen, wenn wir dort gestorben wären, auf dem Mare Imbrium, statt ihnen, den Toten, die Luft zu stehlen, um unser Leben der Qualen zu verlängern, ja, der Qualen ... „Wir sind euch gefolgt,“ sagten sie, ich hörte es ganz deutlich, „und ihr seid an unserem Tode schuld, aber auch ihr“ ... Bei diesen Worten blinzelten sie haßerfüllt mit den erloschenen Augen und verzogen die geschwollenen Lippen zu einem boshaften Lächeln. Da bemerkte ich, daß hinter ihnen O’Tamor stand, blaß und vertrocknet ... Er lächelte nicht und sagte nichts, er war nur traurig und blickte voll Mitleid auf mich ... Ich schrie vor Entsetzen laut auf, und die ganze Willenskraft zusammennehmend, riß ich die erstarrten Füße vom Boden los und stürzte davon. Ich dachte nicht mehr an die Stadt — an gar nichts. Ich lief und lief und stolperte; ich wollte mich erheben und aufstehen, aber da fühlte ich, daß ich keine Luft hatte und verlor das Bewußtsein ...

Er verstummte erschöpft, und uns erfaßte eine seltsame Beklemmung. Ich bin in tiefstem Herzen überzeugt, daß das alles nur eine Täuschung war, wie jene Stadt selbst, die ich heute ebenfalls für eine Täuschung, hervorgerufen durch eine seltsame Gruppierung der Felsen, halte, aber ich wagte nicht recht, ihm das zu sagen.

Und übrigens ... weiß ich es? ... Uns umgeben so unlösbare Rätsel — so unerforschliche Geheimnisse! ... Auf diesen erloschenen Globus sind Menschen gekommen, ist der Tod mit ihnen gekommen; vielleicht ist dem Menschen und seinem unzertrennlichen Begleiter, dem Tode, auch jenes Etwas, jenes Unbekannte, das seit ewigen Zeiten auf Erden jedem Wissen, jeder Forschung getrotzt hat, gefolgt ...

Tomas schlief nach dieser Erzählung ein. Als er aufwachte frug er wo wir seien. Ich sagte ihm, daß wir uns dem Ende des Quertales näherten und bald auf das Mare Frigoris gelangen würden. Er hörte zu, als wenn er meine Worte nicht verstünde.

— Ah, ja! antwortete er endlich, ja, ja ... ich träumte, daß ich auf der Erde war ...

Dann wandte er sich zu Martha:

— Martha, erzähle mir, wie es auf der Erde ist.

Und Martha begann zu erzählen:

— Auf der Erde ist blaue Luft und über sie dahin wandeln die Wolken. Auf der Erde ist viel, viel Wasser, ganze mächtige Meere. Am Strande der Meere ist Sand, und verschiedenfarbige Muscheln liegen dort verstreut, und dann gibt es Wiesen, auf denen süße, wonnige Blumen blühen, und Vögel singen in den Wäldern. Wenn der Wind sich erhebt, so heult das Meer auf, und die Wälder brausen, und die Blätter säuseln ...