— Ja ... pflichtete ich bei, mich zur Ruhe zwingend.
Dann folgte ein Augenblick qualvollen Schweigens. Varadol sprang auf und begann unruhig auf und ab zu gehen. Ich war mir klar darüber, was in ihm vorging; ich wußte, wovon er mit mir sprechen wollte, und daß er über gleichgültige Dinge redete, weil er das Wort nicht hervorbringen konnte, das uns Auge in Auge der Entscheidung gegenüberstellte, die früher oder später schließlich fallen mußte. Eine Zeitlang empfand ich eine boshafte Freude über seine Hilflosigkeit, aber dann tat er mir plötzlich so unendlich leid, daß ich fähig gewesen wäre, mich ihm an den Hals zu werfen und ihn bei unserer alten Freundschaft zu beschwören, ihm alles mögliche zu sagen, daß ich ihm das Weib abtreten wolle, — oder ihn zu bitten, sich mit ihrem Tode einverstanden zu erklären — ah, ich weiß selbst nicht mehr, was ich beginnen wollte, aber ich beherrschte mich sofort; das führt absolut zu nichts. Ich fühlte indes, daß es unmöglich war, die endgültige Auseinandersetzung noch weiter hinauszuschieben.
— Wolltest du weiter nichts, fragte ich ihn unvermittelt.
Er blieb stehen, scheinbar durch den freundlichen Ton in meiner Stimme betroffen, und sah mir forschend in die Augen. Dann lächelte er traurig und fuhr mit der Hand über die Stirn. Ich bemerkte, daß seine Hand wie im Fieber zitterte.
— Ja, in der Tat, ich wollte — überdies ...
Er brach ab und blickte auf Martha; nach einigem Zögern sagte er mit abgebrochener, rauher Stimme in deutscher Sprache, damit sie ihn nicht verstehen konnte:
— Was werden wir mit diesem Weibe tun?
Ich erwartete diese Worte, aber trotzdem trafen sie mich wie ein Keulenschlag! Ich bremste gewaltsam den Wagen; das Blut klopfte mir in den Schläfen und verschleierte mir die Augen. Mein Herz schlug zum Zerspringen; die Lippen waren wie ausgetrocknet. Der entscheidende Augenblick war gekommen.
Ich sah auf Varadol. Er stand vor mir, blaß wie eine Leiche und starrte mir hartnäckig in die Augen. Diesen Blick werde ich bis zu meinem Tode nicht vergessen! Es lag eine Angst darin und ein fast hündisches Flehen — und gleichzeitig wieder eine entsetzliche Drohung.
Ohne zu antworten, schob ich ihn beiseite und ohne mir klar darüber zu sein, was ich tat, trat ich an Martha heran, die still dasaß und irgend etwas nähte. Er folgte mir.