In meinem Kopfe klappert eine furchtbare Mühle; ich glaube, ich habe Fieber.

Nach Sonnenuntergang in Schluchten zwischen Bergen.

Ich habe mich doch vom Lager geschleppt. Martha sagte mir, ich solle mich niederlegen, aber was weiß sie! Ich hatte noch etwas zu tun oder zu schreiben — ich weiß es nicht mehr, aber ich muß mich daran erinnern. Ich bin überzeugt, daß wir in der Dunkelheit versinken, wenn ich es nicht tun werde ... Aber was wollte ich tun? Warum ist es hier so dunkel? Irgendeine Bombe ist mir scheinbar im Kopf zerplatzt, muß zerplatzt sein, denn der Kopf dehnt sich mehr und mehr, schwillt an, wächst; ist jetzt so groß wie der Mond ... Wie unterhaltend das ist, daß wir auf dem Monde sind; aber vielleicht träume ich es nur? Denn wo in aller Welt kämen denn die Hunde her? Wo ist Woodbell? Es ist etwas mit ihm geschehen, aber ich weiß nicht was. Tomas hieß er mit Vornamen ...

Jemand steht bei mir und sagt, daß ich mich hinlegen müsse, weil ich Fieber habe ... Ah, einerlei! Warum soll ich es nicht haben ... Ist es mir nicht erlaubt? ...

Die Feder wird zentnerschwer, aber auch meine Finger sind wie Blei ... Ich weiß nicht, was das alles bedeutet — ich höre nur zwei Stimmen neben mir — ich kann nicht mehr ...

Ende des ersten Teiles.

Zweiter Teil

Auf der andern Seite.

I.

Ich werde niemals den Eindruck vergessen, als ich nach der langen Krankheit, die mir das Bewußtsein geraubt hatte, gegen Ende jener entsetzlichen Reise durch die luft- und wasserlose Mondwüste die Augen wieder öffnete. Heute, wo ich das Niederschreiben unserer Erlebnisse auf diesem Globus wieder aufnehmen will, steht mir dieser Augenblick so lebhaft in der Erinnerung, als wenn kaum einige Stunden seitdem verflossen wären. Und dennoch, wenn ich die Mondtage zähle, sehe ich, daß auf der Erde bereits das elfte Jahr seit jener Zeit, da wir auf die Mondoberfläche gefallen sind, vorübergegangen ist und zehn Jahre, seit wir den Wagen verließen, in dem wir fast ein halbes Jahr eingeschlossen waren. Jetzt atmen wir längst wieder mit voller Brust, unter freiem Himmel, genau so wie auf der Erde, am Strande eines wirklichen Meeres, und blicken auf Wälder von Pflanzen, die uns seltsam und fremd erscheinen, aber ebenfalls grün und voll von eigenem Leben sind. Hundertvierunddreißigmal hat die Sonne vor unseren Augen diese Welt, an die wir uns fast schon gewöhnt haben, umkreist. Unser Haar beginnt zu ergrauen, und neben uns wächst das neue Geschlecht heran, ein Geschlecht von Menschen, die die Geschichte ihrer Vorväter, wie diese einst von der Erde hierhergelangten, von jenem fernen Stern, der in der Gestalt einer mächtigen leuchtenden Kugel vor ihnen am Horizont emporsteigen wird, wenn sie zu den Grenzen der luftlosen Wüste vordringen sollten, für eine Mythe halten werden. Ihnen wird dieses Himmelslicht eine selten gesehene, interessante Erscheinung am Himmelsdome sein, für uns ist es die Mutter, die wir für immer verlassen und verloren haben. Aber den einzigen und stärksten Faden, der uns noch mit ihr verbindet, konnten wir nicht zerreißen — die bis zum letzten Atemzuge in uns lebende Sehnsucht.