Schweigend machte ich mich an die Zubereitung der Nahrung für Martha. Peter ging mit mir aus dem Zelte.

— Was denkst du von alledem? fragte er mich, als wir draußen waren.

Ich wußte zunächst nicht, was ich antworten sollte.

— Nun ja, Woodbells Sohn ist zur Welt gekommen ... murmelte ich nach einer Weile.

— Ja, ja, Woodbells Sohn, wiederholte Peter und verstummte.

Ich wollte nicht weiter fragen, ich wußte, woran er dachte. Wie aus Furcht das zu berühren, was alle unsere Gedanken beschäftigte, sprachen wir von jetzt ab fast ausschließlich von der bevorstehenden Reise. Martha kam schnell zu Kräften, die Gesundheit des kleinen Tom weckte keine Besorgnisse, so beschlossen wir also, vor dem nächsten ersten Viertel der Erde die Fahrt anzutreten. Das war die beste Zeit, da auf dem mittleren Meridian, der entgegengesetzten Halbkugel des Mondes, dem entlang wir uns dem Äquator zu bewegen wollten, gerade mit dem ersten Viertel der Tag beginnt. Wir würden demnach zwei Erdenwochen hindurch Licht vor uns haben und könnten, falls wir keine günstigen Bedingungen vorfinden sollten, vor Einbruch der Nacht zum Polarland zurückkehren.

Indessen verblaßte zwei Wochen nach Toms Geburt die Erde, und währenddem hatten wir Sonnenfinsternis, die zweite, die wir auf dem Monde sehen sollten.

Der ersten, dort auf der Wüste, während wir, von der Angst vor dem uns drohenden Erstickungstode gefoltert, dahinjagten, hatten wir gar keine Aufmerksamkeit zugewendet. Jetzt wollten wir die Gelegenheit besser wahrnehmen. Wir packten daher die astronomischen Instrumente in einen kleinen, von den Hunden gezogenen Wagen und erstiegen einen Hügel, der dem Pol am nächsten gelegen war, von wo man die Erde und die Sonne sehen konnte.

Das Schauspiel war erhaben, aber die Forschungsversuche blieben resultatlos. Der niedrige Stand der Erde über dem Horizont, bei einer mit Wasserdampf gesättigten Atmosphäre, ließ keine genauen Messungen zu und störte die Beobachtungen derartig, daß wir einige Minuten nach Untergang der Sonne hinter die Erdscheibe die astronomischen Instrumente hinwarfen, um mit bloßem Auge das Zauberspiel des Lichtes am Horizont zu bewundern. Die Erde leuchtete auf dem blutiggoldenen Hintergrunde der Morgenröte in Gestalt eines mächtigen schwarzen Halbkreises, von dem dunkel erglühenden, mit Sternen übersäten Himmel umgeben. Ein Anblick, als wenn am nächtlichen Firmament eine riesige Feuersbrunst flammte oder jenes flackernde Polarlicht, das auf der Erde in der Nähe der Pole glüht, plötzlich hierherversetzt, erstarrt und, sich vor unsern Blicken ins Ungeheure dehnend, erloschen wäre.

Gerade jetzt steht mir die Erinnerung daran so lebhaft vor Augen. Es schien mir damals, als wenn sich mir der verkohlte Leichnam der Erde im Feuer zeigte, es war darin etwas Furchtbares und seltsam Erschütterndes. Heute noch, wenn ich an die Erde denke, erscheint sie mir oft in dieser entsetzlichen schwarzen Gestalt, wie ich sie damals gesehen habe, und dann muß ich meine ganze Vorstellungskraft anstrengen, um sie mir als eine silberne, leuchtende Scheibe zu denken.