Bedeutend später fanden wir auf dem Monde noch viele andere merkwürdige Geschöpfe, aber keins hat uns so interessiert wie dieses erste, das überaus typisch für die hiesige Fauna ist.

Überhaupt war unsere ganze Reise durch jenes Tal wie ein Märchentraum, voll von unerwarteten und phantastischen Bildern. Die Stunden flossen schnell dahin und immer von neuem änderte sich der Blick. Stellenweise verengerte sich das Tal, felsige Pässe bildend, durch die wir mit Mühe dicht am Ufer des Baches, der schon zu einem breiten schäumenden Strom angewachsen war, hindurchdrangen; dann fuhren wir wieder auf die weite, kreisförmige Ebene, wo das Wasser sich zu einem großen See ausbreitete mit bewachsenen oder sandigen Ufern. Wir fanden immer mehr Tiere vor. In den Tiefen des Wassers schwammen sonderbare kleine Ungeheuer; in der Luft schwirrten fliegende Eidechsen, die von fern wie Vögel mit dicken Hälsen und langen Schwänzen aussahen. Aber das seltsamste ist, daß alle Tiere auf dem Monde stumm sind. Es fehlen hier diese unzähligen Stimmen des Lebens, die auf den Wiesen und in den Wäldern der Erde tönen; nur wenn der Wind weht säuseln die Blätter der Pflanzen, zugleich mit dem Rauschen des Stromes die ewige Lautlosigkeit unterbrechend.

Die üppige Vegetation erschwerte uns das Vordringen bedeutend. Jeden Augenblick mußten wir stehen bleiben und die um die Achsen geschlungenen Farrenkräuter abwickeln, die die Bewegung der Räder hemmten; manchmal wieder fuhren wir durch so starkes Dickicht, daß der Wagen fast darin stecken blieb. Über diese Verzögerungen waren wir nicht gerade erfreut, besonders da die Fahrt auch so schon sehr langsam vonstatten ging, weil wir öfter anhalten mußten, um zu schlafen oder uns zu stärken, auch die Gegend zu erforschen oder Nahrung und Brennmaterial zu suchen. Nahrung fanden wir genügend vor. Unschätzbare Dienste erwiesen uns hierbei die Hunde. Immer herumsuchend und -schnüffelnd, fanden sie eßbare fleischige Pflanzen oder schmackhafte Molusken. Schlimmer stand es jedoch mit dem Brennmaterial. Der aus dem Polarlande mitgenommene Torf war zwar ausgetrocknet und brannte ganz gut, aber wir mußten sparsam damit umgehen, denn der Vorrat war nicht groß, und in der ganzen Gegend war nichts zu finden, womit wir hätten Feuer machen können. Bäume, wie sie auf der Erde sind, gibt es hier überhaupt nicht und jene breiten Blätter sind so saftig, daß sie im Feuer kochen, statt zu brennen, und den Torf, der fast die ganze Strecke des Polarlandes bedeckte, hatten wir weit hinter uns gelassen.

Indessen näherte sich der Mondmittag und wir mußten uns schließlich entscheiden, ob wir weiterfahren oder infolge Feuermangels vor der Nacht zu dem Polarlande zurückkehren sollten. Zunächst hatten wir die Absicht, das letztere zu tun; vor allem drängte Martha, die den starken Frost mit Rücksicht auf Tom fürchtete, zur Rückkehr. Ich war ebenfalls dafür, aber Peter redete entschieden dagegen.

— Jetzt umkehren, sagte er, hieße uns zu einem ewigen Aufenthalt in dem Polarlande verurteilen. Überlegt, daß wir gegenwärtig die Akkumulatoren noch geladen haben und diese Füllung für den Rückweg ausreichen wird; aber was weiter? Wenn wir wieder einmal in andere Gegenden des Mondes aufbrechen wollten, könnten wir die verbrauchten Akkumulatoren nicht laden, wenn wir keine Möglichkeit zum Feuermachen hätten.

— Aber die Fahrt nach Süden führt ebenfalls zu nichts, bemerkte ich, denn wir setzen uns damit der nächtlichen Kälte aus, die wir ohne Feuer nicht überstehen würden ...

— Vor der Nacht können wir noch Brennmaterial finden ...

— Wir können es aber auch ebensogut nicht finden.

— Ja, aber das ist nur eine Vermutung, während wir mit vollster Sicherheit wissen, daß wir es am Pol niemals finden werden. Übrigens haben wir noch etwas Torf. Mit diesem Vorrat können wir im äußersten Falle noch die Nacht durchhalten und den ganzen folgenden Tag werden wir dem Suchen widmen.

Wir konnten gegen Peters Ausführungen nichts einwenden und fuhren infolgedessen weiter in der Richtung des Äquators.