Einige Stunden nach Mittag überzog sich der Himmel mit Wolken und es fiel reichlicher Regen, der für uns ein sehr erwünschter Gast war, da er die glühende und schwüle Luft erfrischte. Kaum war der Regenguß herabgefallen und die Sonne aus den Wolken hervorgetreten, als wir ein seltsames Brausen vernahmen.

Wir hielten dies zunächst für das Rauschen eines angeschwollenen Flusses, aber bald überzeugten wir uns von dem eigentlichen Grund dieser Erscheinung. Wir waren gerade an einer Stelle angelangt, wo das Tal, nach Westen abbrechend, ein Knie bildete, so daß man das Ende nicht übersehen konnte. Als wir jedoch an die Biegung kamen, bot sich uns ein über alle Beschreibung prachtvoller Anblick.

Einige hundert Meter vor uns brach das Tal plötzlich ab, in breiten Terrassen zu einer unübersehbaren Ebene herabfallend, die sich bis an die Grenze des Horizontes erstreckte. Der Fluß stürzte in schäumenden Kaskaden über diese Terrassen herab, eine Reihe immer tiefer gelegener Teiche bildend, bis er die Fläche der Ebene erreichte und sie in einem gewundenen silbernen Bande durchfloß, das sich endlich in unermeßlicher Ferne verlor. Soweit das Auge reichte, war das Land eben und flach, nur in der Nähe der angrenzenden Berge erhoben sich einzeln zerstreute Ringhügel, die mit Wasser angefüllt waren, wie dafür geschaffene Behälter. Derartige kleine und runde Gewässer waren überall auf der ganzen Ebene verstreut. Die näher gelegenen sahen wie große Pfauenaugen aus, die weiter entfernten glichen Perlen, die auf bläulichgrünem Plüsch aufgenäht sind. Dazwischen wieder wanden sich silberne Bäche und größere Flüsse.

Wir verließen den Wagen und blickten, auf dem Rande der Terrasse stehend, lange in tiefem Schweigen auf dieses eigenartige Land!

Endlich sagte Martha:

— Fahren wir dort hinunter, dort ist es so schön! ...

In der Tat war es schön, aber wird es dort auch gut sein? Wir stellten uns unwillkürlich diese Frage, während wir uns zum Hinabfahren über die steilen Terrassenabhänge vorbereiteten.

Als wir nach vielen Mühen unten anlangten, ließen wir den Wagen am Ufer des Flusses stehen und machten uns sofort auf die Suche nach Brennmaterial. Wir durchquerten die ganze Ebene der Breite und Länge nach, gruben tiefe Löcher, in der Hoffnung, Torf anzutreffen oder irgendeine Steinkohlenader, pflückten verschiedene Pflanzen, um zu versuchen, ob sie nicht zum Brennen geeignet wären, aber alles vergeblich. In ungefähr zehn Stunden sollte schon die Sonne untergehen, als wir gänzlich erschöpft das fruchtlose Suchen aufgaben.

Unsere Lage war überaus trostlos, und wir begannen schon zu bereuen das Polarland so leichtsinnig verlassen zu haben. Die Angst schüttelte uns bei dem Gedanken, was uns die Nacht bringen würde. Torf hatten wir nicht viel; wir mußten außerordentlich sparsam damit umgehen, damit er für die ganze Nacht ausreichte. Als wir uns den Vorrat ansahen, zeigte es sich, daß auf vierundzwanzig Stunden kaum eine Handvoll fiel, die nicht einmal für einen kleinen transportablen Ofen genügte.

— Aber wir werden ja sterben, wenn wir so sparsam heizen müssen, sagte Martha, als wir ihr die vorbereiteten Rationen zeigten.