Ich lachte laut auf, wenn auch etwas gezwungen, um die Erregung abzuschwächen.
— Martha sorgt für ihr Söhnchen, kein Wort mehr, rief ich. Komm, Peter, wir wollen nachdenken, wie wir uns vor dem nächtlichen Frost in Sicherheit bringen, ohne die eigenen Knochen zum Heizen zu verwenden!
Mein Plan war ziemlich einfach. Mit gemeinsamen Kräften gruben wir ein tiefes Loch aus, in dem der Wagen bequem Platz hatte und nachdem wir ihn dort hineingelassen bedeckten wir ihn von oben mit Erde und abgeschnittenen Blättern. Auf diese Weise konnten wir hoffen, daß der Wagen nicht allzuviel Wärme verlieren würde und sich dementsprechend leichter erwärmen ließe.
Die Sonne war schon untergegangen, als wir die Arbeit beendet hatten. Wir gingen jedoch noch nicht in den Wagen. Nach dem langen Tage war die Luft warm und angenehm; eine breite, feurige Abendröte erleuchtete die sich langsam in Dämmerung hüllende Ebene, auf der die näher gelegenen Seen schimmerten, wie mit flüssigem Silber gefüllte Pokale oder, wenn man gegen die Morgenröte auf sie schaute, wie mit Blut angefüllt ...
Wir setzten uns zusammen auf den Hügel, aber die Unterhaltung wollte nicht recht in Fluß kommen. Der letzte Vorfall hatte einen zu starken Eindruck hinterlassen; wir verstummten, und die Stille wurde bald nur noch von dem Rauschen der nahen Kaskaden und der damit zusammenfließenden Stimme Marthas, die dem Kinde weiche, gedehnte indische Wiegenlieder sang, unterbrochen. Ich lauschte diesen Tönen, auf die in der Dämmerung verschwimmende Scheibe des Sees blickend, als mich plötzlich ein leiser Schrei Peters aus meinen Gedanken aufschreckte. Ich sah ihn fragend an und er streckte die Hand in der Richtung nach der Ebene aus:
— Sieh, sieh!
Auf der Ebene geschah etwas Seltsames. In dem Maße, wie der Himmel sich verdunkelte, erhellte sich der Boden. Zunächst schien es, als wenn eine Handvoll kleiner, bläulichglänzender Funken am Ufer des Flusses ausgestreut wären. Und dieser Funken wurden immer mehr; sie flammten rechts, links, vor uns, überall auf. Eine halbe Stunde später schimmerte die ganze Ebene, als wenn sie mit einem blauen, sternenbesäten Nebelschleier überzogen wäre. Die Seen sahen darauf wie schwarze Flecke aus.
Martha hörte auf zu singen und schaute mit uns wie gebannt auf dieses bezaubernde Bild.
Nachdem wir uns von unserem Staunen über diese Erscheinung erholt hatten, überzeugte ich mich, daß sie auf einer Phosphoreszierung jener seltsamen Blattpflanzen beruhte, die diese ganze Fläche bedeckten. Die innere Oberfläche dieser Blätter glänzte wie morsches Holz im Dickicht unserer Wälder.
Aber dieser märchenhaft schöne Anblick verschwand so schnell, daß wir keine Zeit hatten, uns daran sattzusehen. Die Flämmchen erloschen, eins nach dem andern; die Blätter schlossen sich und rollten sich unter dem Einflusse der Kälte zu einem zweiwöchentlichen Schlaf zusammen.