Reichlicher Tau begann zu fallen; und es war höchste Zeit, uns in den schützenden Wagen zu flüchten.
Die Nacht war kalt, aber nicht die schlimmste, die wir überstanden, dank unserm Torfvorrat und der getroffenen Vorsichtsmaßregeln. Den Wagen verließen wir keinen Augenblick, um nichts von der Wärme einzubüßen. Was draußen vorging, konnten wir nicht sehen, da er, wie ich schon bemerkte, ganz mit Erde und Blättern zugedeckt war. Durch diese zwei Nachtwochen waren wir somit von der Außenwelt gänzlich abgeschnitten. Erst als unsere Kalenderuhren die Zeit des Sonnenaufgangs anzeigten, wagte ich, hinauszugehen. Um mich vor der Kälte zu bewahren, zog ich den Luftbehälter an, dessen Stärke und entsprechend konstruierte Wände einen vorzüglichen Schutz bildeten. Draußen angelangt, überzeugte ich mich, daß meine Vorsicht durchaus nicht überflüssig war.
Die Ebene konnte ich in den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne zunächst nicht erkennen. Alles war von einer dichten Schneeschicht, die vom Froste schimmerte, bedeckt. Die Seeoberflächen waren zum Teil unter dem Schnee verschwunden, zum Teil glänzten sie in matten Eisscheiben. Es schien mir, als wenn ich plötzlich in arktische Länder hinübergetragen wäre.
Ich kehrte schnell mit der Nachricht zum Wagen zurück, daß man noch nicht hinausgehen dürfe. Dieser Winter weckte in uns keine freudige Stimmung, da der Torfvorrat an der Neige war. Tatsächlich hatten wir die ganze Nacht hindurch nicht so sehr unter der Kälte gelitten als bei Tagesanfang, ehe es „Frühling“ wurde. Noch drei Erdentage mußten wir auf ihn warten und, soweit es ging, ohne Feuer auskommen. Aber nach siebzigstündigem Kampfe mit dem Froste siegte endlich die Sonne! Der Schnee floß in Strömen, die Seen traten aus den Ufern, alle Bäche schwollen an und als wir uns nach einiger Zeit hinauswagten, reckten sich auf der vom Wasser triefenden Ebene schon mächtige verschieden geformte Blätter der Sonne entgegen und nur die Gipfel der Berge bedeckte noch ein weißer Schleier.
Den Aufbruch zur Weiterreise, an die wir immer dachten, mußten wir noch verschieben, bis die Gegend etwas ausgetrocknet war. Indessen machten wir uns aufs neue auf die Suche nach Brennmaterial. Während einem der vielen Ausflüge, die wir zu diesem Zweck nach allen Richtungen hin unternahmen, kamen wir zufällig an ein tiefes Loch, das wir am vorhergehenden Mondtage in der Hoffnung, Torf oder Kohle dort anzutreffen, ausgegraben hatten. Das Loch war bis zu den Rändern mit Wasser angefüllt. Ich ging gleichgültig daran vorüber, aber Peter, scheinbar durch etwas Ungewöhnliches aufmerksam geworden, blieb stehen und begann sich die Öffnung genauer anzusehen. Ich war schon ein Stück Wegs weitergegangen, als ich seine Stimme hörte:
— Jan, komm! Jan, komm so schnell wie möglich und sieh!
Ich traf ihn kniend an; mit der einen Hand stützte er sich auf den Rand des Loches, mit der anderen gab er mir Zeichen. Sein Gesicht, das über die Öffnung geneigt war, brannte vor Erregung.
— Was ist geschehen?
Statt zu antworten, schöpfte er mit der Hand das Wasser heraus, das von sonderbarer, schmutziggelber Farbe war und hielt es mir unter die Nase.
— Petroleum! rief ich, den bekannten scharfen Geruch einziehend.