Peter nickte mit triumphierendem Lächeln. Um mich zu überzeugen, ob wir uns nicht täuschten, tauchte ich ein Taschentuch in die Flüssigkeit und steckte es an. Es flackerte in einer hellen roten Flamme empor, auf die wir beide starrten wie auf einen Regenbogen, der uns neues Leben verkündete.
Wir beeilten uns, Martha diese frohe Nachricht zu bringen.
Die Auffindung der Petroleumquelle hatte für uns eine ungeheure Bedeutung.
Jetzt konnten wir weiter nach Süden fahren oder hier bleiben, ohne die kalten Nächte zu fürchten noch den Mangel an gekochten Speisen. Einige zehn Stunden widmeten wir dem Sammeln eines großen Vorrates dieser gesegneten Flüssigkeit. Wir gruben zu diesem Zweck noch andere tiefe Löcher aus und sammelten den darin befindlichen Inhalt, soweit es nur irgend möglich war. Vor Mittag hatten wir schon alle Reservoirs gefüllt. Jetzt hielten wir großen Rat ab, was weiter zu tun sei. Am vernünftigsten wäre es hier zu bleiben, in der Nähe der Petroleumquellen, aber wir konnten der Versuchung nicht widerstehen uns weiter zum Meere zu begeben, das nach allen Mutmaßungen nicht weit entfernt sein konnte. Außer der Neugierde sprach für die Reise auch der Umstand, daß wir am Strande infolge der großen Wasseransammlung ein bedeutend milderes und beständigeres Klima antreffen mußten, obwohl wir uns dem Äquator näherten. Im übrigen hatten wir nun einen so bedeutenden Vorrat an Brennmaterial, daß wir es wagen konnten, die Reise auch nur versuchsweise anzutreten, da wir sicher waren, im Falle ungünstiger Verhältnisse zu den Petroleumquellen zurückzufinden, wenn wir uns hinaufzu hinter dem Laufe des Stromes halten würden.
Diesen Tag und die nächste Nacht verbrachten wir noch an derselben Stelle der See-Ebene, wie wir jene große Fläche genannt haben, in der Absicht, den Antritt der Reise bis zum nächsten Tage zu verschieben, da es bedeutend angenehmer wäre, über dreihundert sonnige Stunden vor uns zu haben, während deren wir die Fahrt infolge der Nacht und der Kälte nicht zu unterbrechen brauchten. Aber statt dessen brachen wir früh, sowie nur die erste Dämmerung den Schnee rosig färbte, auf, nicht einmal den Sonnenaufgang erwartend, obwohl sich der Frost empfindlich fühlbar machte.
Die morgendlichen, oder wie man hier besser sagen müßte: Frühjahrswasserfluten, trafen uns bereits zirka hundert Kilometer von der Stelle entfernt, wo wir, nach Erdenzeiten rechnend, über sechs Wochen gestanden hatten. Zunächst beunruhigte uns das Schmelzen des Schnees ungemein; der Boden war so erweicht, daß die Fahrt geradezu unmöglich wurde. Zum Glück erinnerten wir uns rechtzeitig, daß sich der Wagen nach Anbringen eines entsprechenden Steuers und Einfügen von Schaufeln in die Räder leicht in ein schwimmendes Fahrzeug verwandeln ließe, und wir demnach eine Überschwemmung nicht zu fürchten brauchten; im Gegenteil, wir konnten sogar aus ihr Nutzen ziehen, indem wir uns den Fluten des hochgehenden Stromes anvertrauten. Dieser Gedanke war überaus glücklich, vor allem, weil der Strom sowieso der Wegweiser für uns war, der uns zum Meere führen sollte. Zum Überfluß sparten wir dabei eine Unmenge Brennmaterial, da die starke Strömung uns von selbst so schnell davontrug, daß wir, um den Lauf zu beschleunigen, die Schaufelräder gar nicht benötigten.
Den ganzen langen Mondtag verbrachten wir so auf dem Wasser, nur selten ans Ufer fahrend, um auszuruhen oder irgendeine interessante Gegend näher zu besichtigen.
Bevor die Fluten sanken, hatten wir uns schon so weit vorwärtsbewegt, daß der Fluß sich in einen Strom verwandelte, dessen Bett mehr als tief genug für unser kleines Fahrzeug war.
Der Anblick und Charakter der Landschaft änderte sich unaufhörlich. Eine Zeitlang fuhren wir über eine breite und, wie es schien, trockene Steppe, von einer kleinen, zarten Pflanzenwelt belebt, gänzlich verschieden von den blättrigen Gebüschen, die höher am Strome wuchsen. Es war etwas unermeßlich Trauriges in der Eintönigkeit dieser Gegend.
Die Ringberge, bis an den Rand mit Wasser gefüllt, und die runden Seen mit den felsigen, wenig über die Oberfläche erhobenen Ufern zwischen aufgeworfenen Hügeln, ließen wir schon weit hinter uns zurück. Jetzt erstreckte sich zur Linken und zur Rechten eine rostgrüne Flachebene, von der sich nur stellenweise fast violette Wiesen mit winzigen Pflanzen oder gelbe Sandbänke abhoben, die die unbedeutenden Erhebungen anfüllten. Der Strom breitete sich hier aus und floß so träge, daß wir den Motor in Bewegung setzten, um mit Hilfe der Schaufelräder schneller vorwärts zu kommen.