Es war schon etwas nach Mittag, als wir uns der Kette der felsigen Berge näherten, die jene Steppe nach Norden abschloß. Der Fluß war hier auf einer Strecke von einigen Kilometern so von Felsen zusammengepreßt, daß die Fahrt höchst gefahrvoll wurde. Die Strömung riß uns jeden Augenblick fort und warf das Fahrzeug an die Felsen. Nur dem starken Bau des Projektils, das jetzt in ein Schiff verwandelt war, haben wir es zu verdanken, daß wir so davongekommen sind.

Hinter diesem Felsentor ergoß sich der Strom in einen großen See. Seine Ufer bildeten kleine Hügel, mit einer unerhört üppigen Flora bedeckt und von zahlreichen Bächen durchzogen. Einer der schönsten Anblicke, die wir bis jetzt auf dem Monde antrafen.

Wir hatten den See noch nicht durchfahren, als der Himmel, der jetzt fast immer heiter war, sich plötzlich mit dunklen Wolken überzog. Im ersten Augenblick waren wir froh darüber, da die unerträgliche Hitze uns schon empfindlich zusetzte, aber bald begannen wir uns zu beunruhigen, das Herannahen eines Gewitters ahnend. Man hörte schon von weitem das dumpfe Rollen des Donners, und der Himmel flammte seit Mittag in blutigen Blitzen auf. Wir hatten kaum so viel Zeit uns, seitwärts abbiegend, in einer kleinen, von Bergen geschützten Strömung in Sicherheit zu bringen, als das Gewitter sich entlud.

Ich kannte auf der Erde die furchtbaren Gewitter der Tropenländer, aber so etwas Ungeheuerliches hätte ich mir nie vorstellen können. Betäubende Donner flossen in ein unaufhörliches Dröhnen zusammen; vor unseren Augen standen die Blitze wie die Saiten einer flammenden Harfe, die dicht nebeneinander zwischen Himmel und Mond gespannt sind. Und der Regen ... Nein, das war kein Regen mehr! Die Sündflut des aus den Wolken herabstürzenden Wassers verwandelte die ganze Atmosphäre in einen hängenden, von wütenden Stürmen hin und her geschleuderten See. Die Luft, mit Regen und den vom Sturme aufgepeitschten Fluten vermischt, war so mit Elektrizität geladen, daß sie aus sich selbst aufblitzte, — ein seltsames, höllisches Schauspiel: unter den von unten blutig geröteten Wolken war die Atmosphäre mit einem Feuer von faustgroßen Tropfen angefüllt, die triefendem zerschmolzenem Metall glichen.

Manchmal ließ das Gewitter plötzlich nach; die Wolken öffneten sich wie ein nach beiden Seiten auseinandergehender Vorhang, eine Aussicht auf den blauen Himmel und die Sonne gewährend, aber kaum hatten wir Zeit, aufzuatmen, verfinsterte sich der Himmel von neuem, und wiederum begannen, begleitet von einem furchtbaren Orkan, der von Süden daherstürmte, die Donner zu krachen und Ströme von Wasser herabzustürzen.

Das alles dauerte mit kleinen Unterbrechungen fast vierzig Stunden. Erschöpft, verängstigt und betäubt schauten wir auf die ungeheure Ansammlung von Feuer, Wasser und Luft. Trotzdem wir das Fahrzeug mit Seilen an Wurzeln, die am Ufer hervorragten, befestigt hatten, fürchteten wir, daß die Strömung, die sich wie ein wildes Tier in der Agonie hin und her warf, uns auf den stürmenden See hinausschleudern könnte, den Winden und Wellen zum Fraß.

Endlich wurde alles ruhig und der Himmel erhellte sich; nur die hochgehenden Bäche zwischen den Hügeln rauschten noch dahin, die stürmische Oberfläche des Sees aufwühlend. Die Wasser hatten enorm zugenommen. Wir mußten noch über zwölf Stunden warten, bevor sie wenigstens so weit gefallen waren, daß wir die Fahrt wieder aufnehmen konnten. Wir trieben jetzt bedeutend schneller, da die Strömung des hochgehenden Flusses um vieles stärker geworden war. Unterwegs trafen wir überall Spuren einer furchtbaren Vernichtung an: ganze Länderstriche waren weggespült, mächtige seltsame Pflanzen, die hier schon dichte Wälder sonderlich verflochtener Blätter und langer, dicker, fleischiger Stengel bildeten, lagen vom Sturm in Stücke gerissen am Boden. Aus jeder Spalte schossen Kaskaden trüben Wassers; auf den Ebenen standen flache Tümpel, über denen sich eine Unmenge der verschiedensten Tierarten ansammelte, die den Insekten ähnlich waren.

Heute, wo wir uns schon auf dem Monde akklimatisiert haben, wissen wir, daß diese furchtbaren Stürme hier eine tägliche Erscheinung sind, in des Sinnes wörtlicher Bedeutung. Sie entstehen infolge der unerhörten Hitze in der Nachmittagszeit und sind für diese Welt, trotz ihres Grauens, eine Wohltat, da sie die Atmosphäre erfrischen und den Boden austrocknen. Ohne sie wäre das Leben hier eine Unmöglichkeit.

Ich werde unsere Nachmittagsreise nicht beschreiben, da sie ohne besondere Ereignisse war. Nur die Landschaft änderte sich stetig und mit ihr auch die Flora, obwohl ich bemerken muß, daß die Flora auf diesem Globus, der keine klar umgrenzten Zonen hat, bedeutend eintöniger ist als auf der Erde.

Der Abend näherte sich bereits, als wir an die Stelle gelangten, an der der Strom sich auszubreiten und unzählige Flachstellen zu bilden begann, die unsere Fahrt sehr erschwerten. Wir nahmen an, daß dies die Vorboten der nahen Mündung sein müßten.