— Wir werden das Meer sehen, sagten wir uns, die Augen der Sonne zuwendend, als wenn wir uns vergewissern wollten, ob der Tag noch ausreichen würde, um zu diesem ersehnten Ziel der Reise zu gelangen.

Indessen wurde die Fahrt immer schwieriger. Wir blieben einige Male auf seichten Stellen stecken, so daß wir endlich beschlossen, das Schiff wieder in einen Wagen umzuwandeln und auf dem Lande weiterzufahren.

Der Sonnenuntergang traf uns am Fuße niedriger, spärlich mit Gras bewachsener Sandhügel an. Wir fühlten die Nähe des Meeres, wir glaubten sogar, ein mächtiges gedämpftes Rauschen zu vernehmen und den scharfen Duft des Meerwassers einzuatmen. Wir unterbrachen daher, von der Neugierde getrieben, trotz der hereinbrechenden Dämmerung die Fahrt nicht.

Die Dunkelheit wurde bedeutend dichter, als wir auf den Gipfeln jener Sandhügel angekommen waren. Wir strengten den Blick an, um das Meer zu sehen, aber es war unmöglich, etwas zu unterscheiden. Vor uns schimmerte nur gespensterhaft die mit phosphoreszierenden Pflanzen bedeckte Tiefebene. Im Osten war das unbestimmte Murmeln und Rauschen eines flutenden Wassers zu hören, es glitten dichte weiße Nebel oder Wolken vorbei, wie irrende Geister auf leuchtenden Wiesen. Wir wußten im Augenblick nicht, was wir tun sollten, die ganze Nacht hindurch auf der Anhöhe bleiben oder wieder herunterfahren, als sich plötzlich ein Wind erhob und einen von einer Wolkenkette bedeckten Bach enthüllte, der zirka zehn Schritte vor uns auf steinigen Absätzen in natürliche Bassins floß, die stufenweise in einer Reihe lagen. Diesen Anblick hatten wir nur während einer Sekunde, da eine dichte Wolke das Wasser sofort aufs neue verhüllte und abermals nur das Rauschen und Murmeln an unsere Ohren drang. Die ungewöhnliche Menge und Dichte der Wolken setzte uns in Erstaunen, und wir brachen in der Richtung der Bassins auf. Bald befanden wir uns in einem dichten warmen Nebel. Die Räder des Wagens dröhnten auf steinigem Boden.

Als der Wind den Nebel abermals auseinanderwehte, bemerkten wir, daß wir uns am Rande eines jener Bassins befanden, von dem aus uns feuchte warme Luft entgegenwehte.

— Warme Wasserquellen, riefen wir wie aus einem Munde.

In der Tat mußten sich in der Nähe heiße Quellen befinden, da das Wasser, das im Strome abfloß und sich in den Bassins ausbreitete, zwanzig und einige Grad Celsius hatte. Es war nicht an der Zeit, in der Dunkelheit die Gegend zu erforschen; wir beschlossen nur, aus diesem glücklichen Vorfall Nutzen zu ziehen und die kalte Nacht am Wasser zu verbringen, das uns eine beträchtliche Menge Wärme spendete. Die Nacht war ziemlich unruhig. Vier Erdentage nach Sonnenuntergang fiel dichter Schnee, und es wehte ein so kalter Wind, daß wir, um uns vor der Kälte zu schützen, den Wagen auf das warme Wasser des Bassins hinabstoßen mußten. Die Dunkelheit war undurchdringlich. Manchmal nur, wenn der Wind für Augenblicke die sich aus dem Wasser erhebenden Nebel auseinandertrieb, sahen wir die in der Höhe leuchtenden Sterne. Dann zeigte sich uns auch im Süden ein Streifen blauen Lichtes, der sich längs der Grenzen des Horizontes erstreckte. Wir wunderten uns über diese Erscheinung, die dauernd in der Nacht anhielt, obwohl die phosphoreszierenden Pflanzen, die wir anfänglich für die Ursache dieses Lichtes hielten, sich schon lange geschlossen hatten. Der uns unerklärliche Schein erlosch erst nach Mitternacht, als die Kälte, fern von den warmen Quellen, schon äußerst heftig sein mußte.

Noch eine andere Wahrnehmung beschäftigte und beunruhigte uns. Gegen Mitternacht machte sich eine starke Bewegung des Wassers fühlbar, zu der sich ein dumpfes unterirdisches Donnern gesellte. Fast gleichzeitig bemerkten wir durch den Nebel im Osten einen blutigroten, sich säulenartig erhebenden Brand. Nach einigen Stunden war er erloschen, aber bald flammte er wieder auf und blieb mit wenigen Unterbrechungen vier irdische Tage hindurch am Himmel stehen, einem höllischen Geist, der sich im Nebel und in der Nacht über der schneebedeckten Wüste zeigt, vergleichbar. Die Temperatur des Wassers im Bassin, das durch die fortwährenden Erschütterungen des Grundes gärte, hob sich noch erheblich, so daß wir eher am Überfluß als an Mangel an Wärme zu leiden hatten.

Schon in der Nacht, während der Dauer der Erscheinung, die uns anfänglich beunruhigte, ahnten wir, daß sich irgendwo in der Nähe ein Vulkan befinde, dessen Ausbruch wir gerade vor uns haben. Es sprach dafür auch das Vorhandensein der Warmwasserquellen, die meistens in vulkanischen Gegenden vorkommen. Der anbrechende Tag bestätigte unsere Vermutungen. Wir konnten zunächst trotz der Helligkeit nichts sehen, da die Nebel uns die Aussicht verhüllten. Erst vierzig Stunden nach Sonnenaufgang verließen wir den Wagen, nachdem wir bereits seit Mittag an dem steinigen Ufer hielten. Noch einige Schritte gingen wir im dichten Nebel, — da plötzlich, als wenn sich ein Zaubervorhang gehoben hätte, eröffnete sich uns ein breiter Ausblick! Wir standen wie erstarrt, erschüttert vor Bewunderung und Freude.

Einige Meter tiefer, in einer Entfernung von zwei bis drei Kilometern von der Stelle, wo wir standen, lag — das Meer. Es waren seine von kleinen Lebewesen phosphoreszierenden Fluten, die über dem blassen Glanze in der Nacht durch Nebel und Schatten leuchteten.