Jetzt hatten wir es deutlich vor uns! Die unübersehbare, an den Ufern durch das Eis noch abgeschnittene, aber weiter schon flutende und bewegliche, von der Sonne vergoldete Wasserfläche erstreckte sich von unseren Füßen bis an die Grenzen des Horizontes.

Wir waren von diesem so überaus sehnsüchtig herbeigewünschten Anblick so begeistert, daß wir lange die Augen nicht abwenden konnten. Erst nach geraumer Zeit, nachdem wir uns an der seit dem Verlassen der Erde nicht bewunderten Majestät sattgesehen hatten, begannen wir uns die Gegend näher zu betrachten. Im Westen, zwischen weiten Ebenen, glänzte die breite, von zahlreichen Sandbänken unterbrochene Mündung des Stromes, auf dessen Fluten wir den größten Teil der Reise der vorhergehenden Tage zurücklegten. Im Osten war die Landschaft außerordentlich wild und mannigfaltig. Vor allem zog der mächtige, mit Schnee bedeckte Kegelgipfel eines Vulkans, der in der Entfernung von einigen zehn Kilometern über den benachbarten Felsenbergen thronte, unsere Aufmerksamkeit auf sich. Die südlichen Abhänge dieser sich zum Meere neigenden Berge waren von dichten Wäldern sonderbarer großer, seltsam ineinandergewundener blättriger Stauden und Lianen, die gerade aus dem nächtlichen Schlaf zum Leben zu erwachen schienen, besetzt; näher vor uns spritzten zwischen phantastisch übereinandergetürmten Felsen und kleinen rauchenden Seen zahlreiche perlende, in eine weiße Nebelwolke gehüllte Geiser. Der von ihnen abfließende Bach sprang über Terrassen, wälzte sich in die Bassins, floß von den Felsstücken, immer tiefer murmelnd, hernieder, bis er zuletzt in dem Dickicht der Flora verschwand, zum Meere eilend.

So sollte unsere Odyssee enden ...

III.

Zehn Erdenjahre sind verflossen, seit wir an den Strand des Meeres gekommen sind, wo wir heute noch wohnen. Und wenig hat sich in all dieser Zeit geändert. Das Meer braust ebenso, und ebenso leuchtet uns die lange Nacht mit den erglühten Fluten; in gewissen Zeitabschnitten wiederholen sich die Ausbrüche des Vulkans, den wir zur Erinnerung an unsern teuren Freund „Otamor“ genannt haben. Ebenso sprudeln die Geiser, und der Bach murmelt, über die Steine springend; nur über dem einen der Bassins erhebt sich jetzt auf Pfählen ein Winterhäuschen und tiefer am Meeresstrande eine Laubhütte, die uns als Sommerwohnung dient. Und an dem sandigen Strande oder auf den Wiesen spielen vier Kinder mit einigen Hunden, die schon auf dem Monde zur Welt gekommen sind, oder sammeln Muscheln und Blumen. Auch wir haben uns längst an diese Welt gewöhnt. Wir staunen nicht mehr über die langen kalten Nächte noch über die Tage, während denen die träge Sonne Feuer vom Himmel herabsendet; die nachmittäglichen furchtbaren Gewitter, die regelrecht alle siebenhundertneun Stunden über uns dahinziehen, haben aufgehört uns zu schrecken. Auf die wilde, phantastische Landschaft, die Pflanzenwelt, die von der irdischen so verschieden ist, und die ungeschickten Mondtiere blicken wir wie auf gute alte Bekannte. Dafür wird die Erde in unserer Erinnerung immer mehr einem Traume ähnlich, der vorübergezogen und nur eine nicht greifbare Spur in unseren sehnsüchtigen Herzen zurückließ. —

Wir sitzen manchmal am Meeresstrande und sprechen über sie — lange, lange! Wir erzählen uns viel von den kurzen Tagen, den Wäldern, dem Gesang der Vögel, von Ländern und von Menschen, die sie bewohnen, von einer Menge kleiner und bekannter Dinge wie von etwas ungemein Interessantem, und als wenn alles nur ein schönes Märchen wäre. Tom ist schon ziemlich groß und vernünftig und hört, aufmerksam folgend, wie einem wirklichen Märchen zu. Er war niemals auf der Erde ...

Schließlich haben wir uns das Leben hier ziemlich erträglich eingerichtet. Zu Füßen des Otamor, auf dem zerbröckelten vulkanischen Grunde entdeckten wir Stauden, deren Stämme und mächtige Wurzeln genügendes Material bieten, das uns im Notfalle die Bäume ersetzen kann. Die ausgetrockneten und von den verholzten Schuppen gereinigten großen Blätter, die überaus fest und dauerhaft sind, liefern uns das Leder und aus den Fasern der anderen verfertigen wir eine Art starker und weicher Leinwand. Auf der Ebene hinter dem Flusse fanden wir nach langem Suchen einen Braunkohlenflötz, und ebenso entdeckten wir Petroleumquellen, die bedeutend näher liegen als die ersten. Eisen, Silber, Kupfer, Schwefel und Kalk sind hier in ziemlich reichlicher Menge vorhanden. Das Meer liefert uns zur Genüge brauchbare Muscheln und Bernstein, der sich von dem irdischen nur durch eine flammendrote Farbe unterscheidet.

Aus dem Meer fischen wir auch vorwiegend unsere Nahrung. Es leben die verschiedensten eßbaren Muscheltiere und eine Art von Fisch und Eidechse darin, die ganz schmack- und nahrhaft sind. Außerdem sammeln wir im Sande oder Dickicht Eier; keins von den hiesigen Geschöpfen kommt lebend auf die Welt, sondern alle Tiere pflanzen sich durch Eierlegen fort. Diese Eier sind gegen den Frost unglaublich widerstandsfähig und überaus schnell in der Sonnenwärme ausgebrütet. Wir bereiten auch gute, kräftige Speisen aus verschiedenen Pflanzengattungen, die hier reichlich gedeihen.

Im Anfang fiel es uns schwer, ohne Fleischnahrung auszukommen, aber jetzt haben wir uns schon vollständig daran gewöhnt. Alle hiesigen Tiere haben ein zähes, übelriechendes Fleisch, das ungenießbar ist. Nur die Hunde verachten es nicht.

Einige Mondtage gingen vorüber, bevor wir uns hier irgendwie zurechtfanden. Zuerst machten wir uns auf die Suche nach Bau- und Brennmaterial, worauf wir auf Pfählen, die aus starken Wurzeln gefertigt wurden, ein Winterhäuschen zu bauen begannen, auf demselben Teiche der Warmwasserquellen, auf dem wir im Wagen die erste Nacht verbrachten. Nach Beendigung dieser wichtigsten Arbeit machten wir Ausflüge in die Umgegend, die wir vorwiegend zu Fuß zurücklegten. Ein Wägelchen mit Vorräten und Werkzeugen, von den Hunden gezogen, nahmen wir immer mit uns. Die Hunde sind hier unsere einzigen Arbeitstiere; von den Mondgeschöpfen züchten wir nur eine gewisse Art von großen beflügelten Eidechsen, die nahrhafte, wohlschmeckende Eier legen.