VII.
Penang.

Über die Fahrt von Singapore nach Penang, die anderthalb Tage dauerte, wüßte ich nichts Besonderes zu erwähnen, es sei denn, daß ich die Qualen, die uns die furchtbare Hitze bereitete, näher ausmalte. Doch will ich dies lieber unterlassen: soviel sei nur gesagt, daß der Aufenthalt in der Kajüte eine Folter war. Viele entschlossen sich daher, die Nacht auf Deck zuzubringen. Wir folgten indessen diesem Beispiel nicht, weil der Temperaturunterschied während der Nacht so groß war, daß die, die sich der kühlen Seeluft ausgesetzt hatten, empfindlich an ihrer Gesundheit gestraft wurden.

Anfänglich sollte der Aufenthalt in Penang nur sechs Stunden dauern; da indessen unvorhergesehene große Ladung zu nehmen war, dehnte er sich länger aus. Sobald wir in den Hafen einliefen, nahten sich schon von allen Seiten die verschiedensten Frachtschiffe, um so schnell als möglich ihre Ladung an Bord zu bringen. Hauptsächlich bestand diese aus Tabakblättern. Wohl Hunderttausende von zusammengeschnürten Bündeln wurden verladen. Mitten in der Ladung mußte aber eine Pause eintreten, denn ein heftiges Gewitter entlud sich über uns. Unaufhörlich zuckte der Blitz, rollte der Donner, und in Strömen goß der Regen nieder. Nachdem sich das Gewitter verzogen hatte, wurde die Arbeit wieder aufgenommen und fast die ganze Nacht hindurch fortgesetzt. Unglücklicherweise befanden sich unsere Kajüten in unmittelbarer Nähe des Ladekrahns. Man kann sich kaum eine Vorstellung von diesem Lärm machen. In einem fort rollten die Fässer dahin, die Ketten rasselten mit lautem Getöse auf und nieder, dazwischen das Hin- und Hergelaufe der Arbeiter, das Fluchen und Kommandieren der Aufseher – kurzum, ein ohrenbetäubender Lärm, der an ein Schlafen, wenn auch nur auf ein Stündchen, nicht denken ließ.

Am nächsten Tag, dem 24., war die Ladung beendigt und zur Mittagsstunde konnten die Anker wieder gelichtet werden. Aller Gesichter heiterten sich auf – doch leider, leider nur auf kurze Zeit. Denn bald begann für uns eine neue Qual. Es machte sich nämlich in allen Schiffsräumen ein ganz eigentümlicher Geruch bemerkbar, der vermutlich von den zum Teil durchnäßt verstauten Tabaksballen herrührte. Überall schlug einem süßliche, widerliche Stockluft entgegen. Am Ärgsten war es im Eßsalon; die Speisen wurden denn auch in vielen Fällen in Stich gelassen. Alles flüchtete sich an Deck, aber auch nach dort verfolgte uns der Geruch. Einigermaßen erträglich war der Aufenthalt nur auf dem Promenadendeck. So verbrachten wir denn dort, auf Rohrstühlen lagernd, diesen und die folgenden Tage.

Der verlängerte Aufenthalt in Penang bot die Möglichkeit, an Land zu gehen und die Stadt in Augenschein zu nehmen. Viele nahmen auch diese Gelegenheit wahr. Wir Japaner aber zogen es nach der großen Abspannung, die uns die schlaflos verbrachte Nacht bereitet hatte, vor, an Bord zu bleiben. Und wir taten recht daran. Denn als unsere Mitreisenden von ihrem Abstecher heimkehrten, bedauerten sie lebhaft, daß sie nicht unserem Beispiel gefolgt wären. So hatten sie beispielsweise den großen Wasserfall, der eine Sehenswürdigkeit Penangs bildet, nicht in Tätigkeit sehen können, weil ihn die anhaltende Dürre der letzten Zeit fast ganz ausgetrocknet hatte; was über die Katarakte hinunter rieselte, war nicht der Rede wert gewesen.

Soweit wäre der Aufenthalt in Penang nichts als eine Kette von Unerquicklichkeiten gewesen – doch halt! Nein, es war nicht ganz so schlimm. Es gab auch lichte Seiten. Und dazu rechne ich das Fest, das der Kapitän des »König Albert« zu Ehren des Königs gab, dessen Namen unser Schiff trug. König Albert von Sachsen hatte am 23. seinen Geburtstag, der festlich begangen werden sollte. Schon am frühen Morgen wurde die sächsische Fahne gehißt. Am Abend sollte dann ein großes Festmahl sein, darauf Illumination und Tanz auf dem Promenadendeck. Das heraufziehende Gewitter machte indessen einen Strich durch dies Programm; die Illumination sowie der Tanz mußten ganz ausfallen. Das Festmahl fand aber statt und verlief in würdiger Weise. Küche und Keller gaben ihr Bestes her, und in fröhlicher Stimmung sprachen alle den Kunststücken unseres Hans Küchenmeisters zu.

VIII.
Colombo.