Ein anderes Spiel ist dasjenige, bei dem man runde Holzplatten mit einem Holzschieber – das ist ein an einem Stabe in T-form befestigtes Brett – etwa 15 Meter weit nach einem mit Kreide gezeichneten Platz stößt. Bei diesem Spiel werden die Mitspieler in zwei Parteien geteilt und dann wird gewettet. Diejenige Partei hat gewonnen, welche die meisten Platten in den abgegrenzten Raum gebracht hat.

Im Rauchsalon wurden Karten- und Würfelspiele, Schach und anderes gespielt. Was uns jedoch besonders auffiel, das waren die Glücksspiele mit Karten und Würfeln, bei denen sich besonders Engländer hervortaten. Die Spieler setzten sich um den Tisch und dann wurde leidenschaftlich und erregt das Spiel verfolgt. Da wir von Hause aus mit dieser Art von Spielen nicht vertraut waren (bei uns sind dieselben gesetzlich verboten) und uns dieselben recht unangenehm berührten, so lehnten wir stets die Aufforderung zur Beteiligung ab. Wir bemerkten, daß nicht selten diese Spiele einen ernsten Ausgang nahmen; denn manche verloren dabei nicht wenig Geld, und in solchem Falle ging es nicht immer ohne Schimpfen und grobe Bemerkungen ab. – Am Dominospiel dagegen, welches wir von einem an Bord befindlichen Deutschen erlernten, beteiligten wir uns gern und zwar spielten wir dieses der Belebung halber um ein Glas Bier. Bei dieser Gelegenheit fragte ich einige deutsche Passagiere, was sie von dem Spielen um Geld hielten und wie es in Deutschland und in andern Ländern Europas gehandhabt würde, und da hörte ich denn so mancherlei. In Deutschland sowie fast in ganz Europa sind Spiele um Geld gesetzlich erlaubt. Glücksspiele jedoch, wie das Hazard, wobei es dem Zufall überlassen bleibt, ob der Spieler gewinnt oder verliert, sind streng verboten – speziell in den öffentlichen Lokalen – und werden bestraft, besonders scharf die Spieler, bei denen es sich um gewerbsmäßiges Spielen handelt. So vernahm ich von einem großen Spielerprozeß in Deutschland, in den hochadlige junge Leute und Offiziere verwickelt gewesen. Dieselben hatten einen Klub gegründet mit dem Namen »Klub der Harmlosen«, in welchem man fast nur Glücksspielen gefröhnt. Ferner wurde mir erzählt, daß in einem der feinsten Klubs in Wien hoch gespielt worden wäre und daß bei einem Spiel zwischen einem ungarischen Baron und einem polnischen Grafen letzterer ungefähr zwei Millionen Mark verloren habe. Aber auch öffentlich darf an einigen Punkten Europas gespielt werden, und der bedeutendste Zufluchtsort der Spieler soll Monte Carlo in dem kleinen Fürstentum Monaco, unweit der wegen ihrer Schönheit bekannten Stadt Nizza, sein. Hier wird in einem nur für diesen Zweck gebauten Kasino gespielt, das märchenhaft schön eingerichtet sein soll. Das Kasino gehört einer Aktiengesellschaft, durch deren Abgaben sogar das kleine Fürstentum unterhalten wird und der Fürst des Landes große Einnahmen bezieht.

Ferner werden in Europa bei Pferderennen große Wetten abgeschlossen und an eigens hierfür errichteten Wettmaschinen, Totalisator genannt, Einsätze in Geld für den Sieger oder den Platz gemacht. Von diesen Geldern, die dort angelegt werden, nimmt jeder Staat eine Steuer für sich in Anspruch. – Aber auch selbst harmlose Spiele können zum verwerflichen Glücksspiel werden, wenn die Betreffenden um Einsätze spielen, welche ihrem Vermögen oder Einkommen nicht entsprechen.

Echt deutsches Bier.

Aus lauter Langeweile und vor Durst wird an Bord ziemlich viel getrunken und oft genug hörte man den Ruf: »Spatz!« – so hieß nämlich der kleine Servierkellner im Rauchsalon. Wein, Schnaps, Brunnenwasser, Citronenwasser, mitunter auch Champagner, wurden getrunken, am meisten jedoch Bier. Von letzterem wurde jeden Tag eine Zahl Fässer geleert. Bier trinken am meisten die Deutschen, die Franzosen lieben den Wein und die Engländer ziehen allem andern den Schnaps oder Likör vor. Das deutsche Bier wurde von sämtlichen Passagieren hochgepriesen. Ich habe mir zu Haus erzählen lassen, daß das Bier als Nationalgetränk der Deutschen in ihrem eigenen Lande vorzüglich gebraut werde, und glaubte auch in diesem Bier an Bord eine ausgezeichnete Braukunst zu erkennen. Nun befand sich auf dem Schiff ein deutscher Braumeister, der seit Jahren an einer japanischen Brauerei angestellt war und jetzt auf Urlaub nach Deutschland fuhr. Auf meine Frage, ob er ein eben so gutes Bier in Japan brauen könnte, sah er mich mit großen Augen an und sagte: »Glauben Sie, daß dieses Bier, welches Sie hier jeden Tag trinken, ein echt deutsches Bier ist?« Auf meine bejahende Antwort erklärte er mir aber zu meiner großen Verwunderung, daß das Bier echt japanisch sei, worauf mir der Ausruf entschlüpfte: »Sehr komisch!« So erfuhr ich, daß bei der Fahrt von Deutschland nach Japan selbstverständlich deutsches Bier, aber bei der von Japan nach Deutschland japanisches Bier in deutschen Fässern von den Schiffen mitgeführt wird. Ich glaubte auf einem deutschen Schiffe ein echt deutsches Bier, von dem man so viel Rühmens macht, zu trinken und mußte nun von einem Deutschen erfahren, daß ich Bier getrunken habe, welches in meinem eignen Heimatlande gebraut war. Die Unwissenheit, welche ich hierbei an den Tag gelegt habe, bitte ich mir zu gute zu halten, aber man ersieht daraus wieder, daß das Fremde von den Menschen, die nicht genau Bescheid wissen, blindlings höher geschätzt wird, als das Heimatliche. »Kein Prophet wird in seinem Vaterlande geehrt.« Seit dieser Geschichte bestellte ich nur noch: »Spatz, bringen Sie mir ein Glas »sogenanntes« deutsches Bier!« worauf er mir mit verständnisvollem, verschmitzten Lächeln ein Glas echt japanischen, goldklaren, schäumenden Gerstensaftes reichte.

Ein unfreiwilliges Bad.

Die Badeeinrichtung auf dem Schiffe ist ganz anders, als man sie zu Hause hat. Durch ein Rohr wird das Meerwasser in die Wanne geleitet und je nachdem man heiß oder kalt wünscht, hat man den einen oder den andern Verschluß aufzudrehen. Für Süßwasser befindet sich ein Behälter, woraus für jeden Badnehmer ein kleines Becken voll geführt wird. Da das salzige Meerwasser sich unangenehm an dem Körper bemerkbar macht, so benutzt man dieses Süßwasser zum Nachspülen und Nachwaschen. Übrigens ist letzteres sehr kostbar auf den Schiffen und wird mit demselben äußerst sparsam umgegangen. Ich kannte die Einrichtung mit dem Auf- und Zudrehen der Hähne nicht recht, und als das Schiff in der Mündung jenes trüben Flusses, des Jangtsekiang, vor Anker lag, ging ich zum ersten Male aus Langeweile in die Badestube und drehte ahnungslos an dem einen Hahn. Da erhielt ich auf einmal von der Decke einen Sprühregen des trüben Wassers über meinen Kopf und die ganze Kleidung. Ich hatte unglücklicherweise den Hahn der Brause gefaßt. Bevor ich noch recht zur Besinnung kam, hörte ich mit Donnerstimme den Ruf: »Was machen Sie da!« und der Badesteward trat herein. Er sah mich mit böser Miene an, sagte, daß das Rohr von dem trüben Wasser des gelben Flusses verstopft werde, wenn man ihn jetzt öffnete, daß überhaupt das Baden nur während der Fahrt auf offenem Meere erlaubt sei, aber nicht, wenn das Schiff stille läge wie jetzt. Durchnäßt wie ein Pudel, von dem trüben gelben Wasser des Jangtsekiang von oben bis unten beschmutzt, von dem Donnerwetter des Badestewards noch ganz niedergeschmettert, schlich ich davon in meine Kajüte, um wieder einen ordentlichen Menschen aus mir zu machen. Diese Begebenheit ist unter meinen Landsleuten als mein »unfreiwilliges Bad« bekannt geworden.

Beim Barbier.

Auf dem »König Albert« gab es auch einen Barbier und von diesem wollte ich meine Haare schneiden lassen. Ich begab mich eines Tags zu ihm; er war ein netter kleiner Kerl, und es entspann sich zwischen uns folgendes Gespräch. Ich werde mich mit A. und den Barbier mit B. bezeichnen.

B. »Mein Herr, sind Sie nicht krank gewesen?«