»Der ganze zauberische Bau ist wie ein Gebet, wie ein Opfer, das alle Zungen und alle Herzen der ganzen Stadt dem Allerhöchsten hier dargebracht haben: ein solch Werk der Begeisterung und der Schönheit tut wohl in der jetzt so vernüchterten Welt. Wie verklärt und veredelt es alles rund um: wie die Flammen der Abendröte auch die geringste Hütte ebenso wie die riesigen Gletscher mit ihrem Purpur bekleiden, so adelt er mit seinem Schwung und seiner Schönheit die ganze Stadt, hält sie zusammen, ist ihr König, auf den sich alles bezieht, auf den man immer wieder die Blicke zu richten sich gezwungen sieht (Fried. Pecht u. Andere)...«

Italienerin.

Nachdem wir den Dom eingehend besichtigt hatten, sahen wir uns die Stadt mit ihrem bunten Straßenleben an. Es fand gerade eine Korsofahrt statt und so hatten wir Gelegenheit, die schönen Mailänderinnen in ihren eleganten Equipagen, gezogen von stattlichen, wohlgenährten Pferden, bewundern zu können. Alles in allem erschien uns Mailand weit gemütlicher als Genua, und man wird sich daher nicht wundern, daß wir bis spät in die Nacht hinein durch die Stadt und den Park, in welchem eine Militärkapelle durch ihre außerordentlich lebhafte Weise unsere Ohren entzückte, spazieren gingen. Daß die Italienerinnen sehr schön und graziös seien, hatten wir schon vorher gehört, hier aber konnten wir uns davon mit unseren eigenen Augen überzeugen. Besonders gefielen sie durch ihren ungezwungenen leichten Gang und ihr liebliches anmutiges Wesen, noch mehr aber durch ihre feurigen, funkelnden schwarzen Augen, die zusammen mit den schwarzen wallenden Haaren und der milchweißen Haut einen reizenden Anblick darboten. Wenn auch Salomo gesagt hat: »Lieblich und schön ist Nichts« und Claudius: »Ein Ding, das in sich keinen Wert hat, das nur kurz währet, das im Hause nicht sonderlich nützt und nicht eigentlich Liebe macht, so ein Ding ist die Schönheit, mehr ist sie nicht, und Ihr müßt mir nicht böse sein, Ihr schönen Mädchen, daß sie nicht mehr ist« – so stimmte ich doch beim Anblick dieser schönen Gestalten mehr den Worten Schillers bei, der da sang:

»Zürne der Schönheit nicht, daß sie schön ist, daß sie verdienstlos

Wie der Lilie Kelch prangt durch der Venus Geschenk;

Laß sie die Göttliche sein, du schaust sie, du bist der Beglückte,

Wie sie ohne Verdienst glänzt, so entzücket sie dich.«