Am 18. Mai vormittags ½10 Uhr trafen wir wohlbehalten in Berlin auf dem Anhalter Bahnhof ein, wo wir von mehreren Landsleuten erwartet wurden. Als wir unter den herzlichsten Glückwünschen unserer Landsleute einander die Hände drückten, überkam uns ein recht angenehmes, freudiges Gefühl bei dem Gedanken, endlich die Hauptstadt des Deutschen Reiches betreten zu haben, wo wir nun für längere Zeit unser Heim aufschlagen sollten. Wir nahmen eine Droschke und fuhren in das Hôtel Bellevue am Potsdamer Platz, in dem wir einstweilen absteigen wollten. So war die lange große Reise glücklich überstanden und unser Ziel erreicht!

XVII.
Die ersten Eindrücke in Berlin.

In Folgendem will ich versuchen, einiges von dem niederzuschreiben, was mir in den ersten Tagen meines Berliner Aufenthaltes besonders aufgefallen ist. Selbstverständlich mußte vieles meinen an europäische Verhältnisse nicht gewöhnten Augen fremd erscheinen, wodurch vielleicht meine Auffassung beeinflußt wurde. Es darf dies jedoch nicht in Frage kommen, da mir eben daran liegt, eine individuelle Schilderung meiner ersten Eindrücke und Empfindungen wiederzugeben. Einem Fremdling, der mehrere tausend Meilen von Osten hierher kommt und vom Schiff aus durch die Bahn direkt in die Mitte der großen Weltstadt getragen wird, muß vieles wie ein Wunder vorkommen und er wird Dinge und Menschen ganz anders betrachten, als ein Einheimischer.

Wie jedem Fremden, erging es auch mir, der das westeuropäische Leben und Treiben nur vom Hörensagen und aus Büchern kannte. Meine Spannung hatte natürlich den höchsten Grad erreicht, als ich nach der langen Reise in Berlin auf dem Anhalter Bahnhof ankam, empfangen von mehreren landsmännischen Freunden. Eine innere Genugtuung erfüllte mich nach der unendlichen Fahrt. Die zehntausend tapferen Griechen können das Meer mit ihrem »Thalassa«-Rufe nicht freudiger begrüßt haben, als ich mein Endziel: die Kaiserstadt Berlin! Hier sollte ich endlich zur Ruhe kommen, denn Berlin sollte für längere Zeit meinen Aufenthalt bilden. Ich war freudig überrascht, daß ich vom ersten Augenblick an dasjenige, was ich von dem deutschen Volk schon in Japan gehört, gedacht und gelesen hatte, vollkommen bestätigt fand, worüber ich später eingehend zu schildern gedenke.

Vom Anhalter Bahnhof fuhr ich zum naheliegenden Potsdamer Platz, an dem das Hôtel Bellevue liegt, woselbst ich Wohnung nahm. Der Potsdamer Platz, in dem sich einige mächtige Arterien des Berliner Lebens einigen, bietet mit seinem riesigen Verkehr – wie ich mir erzählen ließ, soll er ein Kreuzpunkt von vielen Dutzenden elektrischer Straßenbahnlinien, sowie von kolossalen Menschenmengen sein – einen wahrhaft verblüffenden Anblick.