Schutzmann.

Von allem, was ich hier in den ersten Tagen meiner Ankunft gesehen habe, hat mir der riesige Verkehr am meisten Bewunderung abgerungen. Die neuen Verkehrsmittel in Berlin sind geradezu phänomenal. Straßenbahnen, Stadtbahnen, Hoch- und Untergrundbahn, Omnibusse, Droschken, Automobile, Fahrräder und noch vieles andere, all diese Fahrgelegenheiten durchkreuzen die Stadt nach sämtlichen Richtungen und machen das Straßenleben ungeheuer lebhaft.

Viel Zeit.

In den unter sorgsamster polizeilicher Aufsicht stehenden verkehrsreichsten Straßen, wie z. B. der Friedrichstraße, war es mir oft kaum möglich, meinen Weg durch die Menschenmenge zu finden. Anfangs glaubte ich, diese Menschen strömten aus irgend einem besonderen Anlaß herbei, aber dem war nicht so, denn bis spät in die Nacht ging es hier so zu. Es könnte fast scheinen, als ob die meisten dieser Passanten keinen besonderen Lebenszweck hätten, aber man muß berücksichtigen, daß ein großer Teil davon – wie man mir mitteilte – nicht Berliner, sondern Fremde sind, die sich des Vergnügens wegen hier aufhalten. Wie in einem Kaleidoskop sind hier alle Arten von Menschen zusammengewürfelt: geschniegelte und gebügelte Männer mit Cylinder, geschminkte Weiber in auffallender Kleidung, schneidige Offiziere, vornehme Damen, Studenten in ihren Couleurmützen, Landleute mit ihren kerngesunden, geröteten Gesichtern, Provinzler, Straßenhändler, Zeitungs- und Blumenverkäufer u. a. m., alles strömt hier bunt durcheinander und macht auf uns Ausländer einen ganz eigenartigen Eindruck.

Eins von den eigentümlichsten Straßenbildern, das man bei uns nie zu sehen bekommt und uns viel Spaß macht, ist auch der Hundehändler. Sie stehen an der Seite der Straße, halten ein paar junge Hündchen auf den Händen oder führen größere Hunde an der Leine und bieten sie den Vorübergehenden feil. Ich weiß nicht, ob sie mit diesem neuen Berufszweige gute Geschäfte machen oder nicht, kurz und gut, sie üben auf uns eine drollige Wirkung aus. Noch eine andere eigentümliche Erscheinung auf der Straße bilden die Soldaten mit ihren »Herzallerliebsten« an der Seite – auch ein possierlicher Anblick, den man bei uns nicht hat. Ich habe oft beobachtet, wie ein solcher Vaterlandsverteidiger Hand in Hand oder Arm in Arm mit seinem Schatz durch die Straßen wandelte oder dem Tanzboden zusteuerte. Ich hatte immer geglaubt, die deutschen Soldaten, die durch ihre Tapferkeit und Disziplin so weltberühmt sind, würden sich solche Dinge nicht erlauben, aber vielleicht tut es ihrem Ansehen keinen Abbruch. Jedenfalls mutete es mich in der ersten Zeit seltsam an, weil, wie gesagt, solch' öffentliche Liebeleien bei unseren Marssöhnen nicht Mode sind.