Das Schloß Hauenstein am südlichen Fuße des Erzgebirgs besaßen unter Kaiser Karl IV. die Herren von Pardubitz. Von diesem Geschlechte wird folgendes erzählt: Als Kaiser Friedrich Barbarossa im Jahre 1158 Mailand belagerte, war ihm auch Herzog Wladislaw von Böhmen mit vielen böhmischen Rittern zur Hülfe gezogen. Im Dunkel einer Nacht erstiegen die Böhmen die Mauern der belagerten Stadt und drangen bis auf den Markt vor; allein hier kamen ihnen die Mailänder entgegen, es entstand ein heftiger Kampf und die Übermacht der Bürger drängte die bisherigen Sieger zurück. Vorher sprengten sie jedoch das Thor und hatten sich so den Rückzug gesichert. Es gelang auch allen zu entkommen, nur Gescheck von Pardubitz verweilte am längsten im Thore, noch immer kämpfend, und als er endlich den Seinigen folgen wollte, rief man von der Stadt aus dem Türmer zu, er möge das Seil zerhauen, womit das Fallgitter befestigt war. Dies geschah auch und das herabstürzende Gitter fiel dergestalt auf Geschecks Roß, daß es von der ungeheuren Gewalt in zwei Hälften geteilt ward. »Das halbe Roß, Ihr Wälschen, schenke ich Euch!« rief der Ritter und schleppte die andere Hälfte ins böhmische Lager, wo ihm Wladislaw entgegenrief: »Dies soll Dir und Deinem Stamme zum Ehrenzeichen dienen!« Am andern Tage aber schlug er Gescheck zum Ritter und verlieh den Herren von Pardubitz ein halbes weißes Roß im roten Felde zum Wappen.

480. Geschlecht von Vitzthum.

(Gauhen, Adelslexicon I, S. 1968. Falkenstein, Thüringsche Chronik, I. II. S. 414, 481. Gräße, Geschlechts-, Namen- und Wappensagen S. 176.)

Der Ursprung der Herren, Freiherren und Grafen von Vitzthum, in alten Schriften Vitzdom geheißen, wird hergeleitet von den Vicedominis, welche nach Abgang der Könige von Thüringen anstatt des Kaisers die Regierung in den Händen hatten und zu Erfurt residiert haben. Ihr Stammgut heißt Eckstädt, Grenzort des Spezialgaues Thüringen, und daher nennt sich auch noch ein Zweig dieser Familie Vitzthum von Eckstädt. Das gräflich Vitzthum von Eckstädtsche Geschlecht besitzt seit 1764 Lichtenwalde bei Chemnitz, das bereits im 15. Jahrhundert und vielleicht schon früher in dessen Besitze gewesen war.

481. Die Herren von Wildenfels.

(Kirchengalerie v. Sachsen, 8. B., S. 25.)

Wildenfels scheint nach einer Geringswalder Klosterurkunde bereits 1233 Stadt gewesen zu sein. Nach dem Orte nannten sich die im Jahre 1602 ausgestorbenen Herren von Wildenfels, deren zuerst 1222 urkundlich und zwar als Besitzer der gleichnamigen Herrschaft gedacht wird. In ihrem Wappen führten sie eine Rose im goldenen Felde.

482. Die Herren von Ortwinsdorf.

(Kirchengalerie von Sachsen, 8. B. S. 28. 179.)

Das Dorf Ortmannsdorf wird vor der Reformation Ortwinsdorf geschrieben, und wahrscheinlich gab der Ort dem gleichnamigen Geschlechte, welches bereits im Jahre 1219 urkundlich vorkommt, seinen Namen. Einen Teil des Dorfes besaßen im 15. Jahrhunderte die Ritter von Remse als Wildenfelser Afterlehen. – Vielleicht dankt auch das Dorf seinen Namen dem im 14. und 15. Jahrhunderte in Chemnitz blühenden Patriziergeschlechte der Ortwyne oder Ortweine, ein Name, welchen im Gudrunliede auch Gudruns Bruder führt. Ein Nicol und Matthias Ortwyn haben 1373 zu der Kirche St. Jacob und besonders dem Altar des heiligen Leichnams und Blutes Christi das Dorf Meinersdorf erkauft. (Hist. Nachricht von denen vornehmsten Denkwürdigkeiten der Stadt Chemnitz. 1734. S. 18).