(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, 1847, S. 13.)
Auf dem Schellenberge, wo sich jetzt Augustusburg erhebt, trieb in ihrem Raubschlosse eine starke Zahl Räuber besonders heillos ihr Wesen. Ein ähnliches Raubschloß befand sich kaum 2 Stunden davon entfernt, jenseits der Chemnitzer Straße auf einem Waldhügel. Durch Signale standen sie in enger Verbindung. Wenn nämlich von Freiberg her jenseits der Oederaner Gegend Reisende mit Handelsgütern sich zeigten, so zogen die Räuber des Schellenberges eine Glocke an – daher der Name Schellenberg –, was für die jenseitigen Räuber das Zeichen war, sich an der Straße zur Plünderung bereit zu machen. Wenn hingegen von Chemnitz her sich die Reisenden sehen ließen, zündeten jene ein Feuer an, um dem Schellenberger ein gleiches Zeichen zu geben; daher der Name; denn der Wächter rief dann: »Licht im Walde!« Länger als 300 Jahre trieben die Räuber ungestraft dies Wesen; man weiß jedoch nicht, wer und wann es endigte.
570. Von den Namen Streitwald, Beutha, Affalter und Lößnitz.
(Oesfeld, Hist. Beschr. von Lößnitz, 1776, S. 2.)
Es wird gesagt, daß bei Streitwald ein Treffen vorgefallen sei, man darauf in Beutha die Beute geteilet habe, in Affalter der Feind sei abgehalten und Lößnitz durch einen Nebel den Feinden unsichtbar und also aus ihrer Hand sei erlöset worden.
Eine andere Tradition meldet nichts von einem Streite, erzählt aber mit der vorigen Sage übereinstimmend, daß die Stadt Lößnitz durch einen Nebel verdeckt und so von dem Kriegsheere »erlöset« worden sei. Es sei nämlich der Feind einst früh aufgebrochen und habe seinen Weg auf Lößnitz genommen. Ein starker Nebel aber habe die Stadt, welche im Grunde liegt, den Augen des Feindes entzogen, der alsdann den Weg verfehlt habe und nach Zwönitz und dem Chemnitzwasser entlang bis an die Stadt Chemnitz gekommen sei. (Peck, Beschreibung des Chursächsischen Erzgebirges, 1. B., 1795, S. 4.)
571. Der frühere Name von Lichtenstein.
(Beschreibung über die Kirche zu Oberlungwitz, St. Martin genannt etc. von dem dortigen Schulmeister aufgezeichnet 1766, Manuskript.)
In den älteren Zeiten soll in der Gegend, wo jetzt Lichtenstein steht, ein sehr finsterer und dicker Wald gewesen sein, da denn die wenigen Häuser, welche anfänglich erbaut gewesen, den Namen »Finsterstein« bekommen haben. Darnach aber, als der Wald durch Erbauung mehrerer Häuser immer lichter geworden, so daß man den Ort zu einer Stadt bestimmte, hätte er den Namen Lichtenstein bekommen.