(Glückauf 2. Jahrg. No. 7. und Dr. Hasse im Glückauf 3. Jahrg. No. 3., Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 34.)
Hinter der Ruine des Schlosses Frauenstein ragt ein mit einem Pavillon versehener Felsen hervor, genannt der Zeisigstein. Der Name soll von einem Hauptmann der meißnischen Burggrafen, Zeisig, herrühren. Erzählt wird darüber folgendes: In der Fehde zwischen dem Kurfürsten Friedrich dem Sanftmütigen und dem Meißner Burggrafen Heinrich Reuß-Plauen, worin ersterer dessen Burg Frauenstein im Jahre 1438 erstürmen und brechen ließ, soll ein sie verteidigender Schloßhauptmann, mit Namen Zeisig, als Rebell auf dem obengenannten Felsen enthauptet worden sein. Noch heutigen Tages zeigt man in der Ringmauer der Burgruine die Thür, durch welche jener burggräfliche Lehnsmann zur Hinrichtung geführt worden sein soll. Ein gleicher und gleichzeitiger Vorgang soll einem weiter nördlich jetzt in den »Bürgerfichten« versteckten Felsen den Namen »Storch« gegeben haben. Die Sage meldet überhaupt von drei Vögeln: Finke, Storch und Zeisig, die auf dem Frauenstein genistet, oder deutlicher zu reden, des Burggrafen zu Meißen Hauptleute gewesen sind.
573. Der Predigtstuhl bei Rabenau.
(Mitgeteilt vom Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.)
Als sich im dreißigjährigen Kriege die Bewohner von Rabenau in die nahen Wälder flüchteten, hielten sie Gottesdienst im Freien, und es heißt der Felsen, von dem herab der Pfarrer predigte, noch jetzt der Predigtstuhl oder die Kanzel. Rabenau aber, welches damals bis auf wenige Häuser niedergebrannt wurde, soll weiter auf der Höhe, in der Gegend des jetzigen neuen Kirchhofs gestanden haben. Nachdem die Kriegsfurie vorbeigezogen war, bauten sich die übrig gebliebenen Einwohner näher der Kirche wieder an.
574. Das Brautbette bei Rabenau.
(Mitgeteilt von. Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.)
Die Tochter des letzten Herrn von Rabenau verliebte sich sterblich in den Junker Jeschke (Jesico) von Dohna. Der harte Vater verwehrte sie ihm aber und schlug seine Werbung rundweg ab. Rasch entschlossen raubte sie der edle Junker und feierte die Brautnacht und das Beilager gleich im Walde an der Stelle, die noch heute das Brautbette genannt wird.
Übrigens soll in den Hainleiten zwischen dem Predigtstuhl und Brautbette, welche vormals zum Schlosse gehört haben sollen, eine ganze Braupfanne voll Gold vergraben sein. Näheres ist darüber aber nicht bekannt geworden.