Im Jahre 1522 hat Herr Ernst von Schönburg das Städtchen Scheibenberg angelegt und bauen lassen, und hat demselben ein Denkbild zum Stadtsiegel erteilt, welches auf zwei silbernen Stadtsiegeln von unterschiedlicher Größe gestochen ist. Das größere Siegel zeiget auf beiden Seiten Bergleute, welche ihre Berghäcklein auf den Schultern haben; zwischen diesen stehen Tannenbäume, welche einen Vogel Greif in der Mitte haben, unter welchem das gewöhnliche Bergzeichen Schlegel und Eisen zu sehen ist. Das kleinere ist von dem größeren nur dadurch unterschieden, daß keine Bergleute darauf stehen.
In einem alten Manuskript findet sich folgende Erklärung dieses Stadtsiegels: Die Männer mit den Bäumen sollen auf den Anfang des Städtchens deuten, an dessen Stelle vorher ein wilder Wald gewesen, und dessen Erbauung durch das Bergwerk veranlaßt wurde; da es aber ein Städtlein worden, sollte über Justiz, Pietät, Ehre und Redlichkeit so fest gehalten werden, als der Baum die Äste hält. Die Herrschaft wolle es schützen, wie der Greif das Gold und Silber.
614. Das Siegel der Stadt Dippoldiswalde.
(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 216.)
Das Siegel der Stadt, wie auch das Wappen auf der Schützenfahne zeigt ein männliches Brustbild mit einem Barte und kreuzweis über die Brust gezogenen Bändern im blauen Felde; über dem Haupte aber sind zwei kreuzweise gelegte Eichbäume nebst ihren Wurzeln abgebildet. Dies Wappen deutet auf den heiligen Dippold, der nach der Sage die Veranlassung zur Rodung des wilden Waldes und Gründung der Stadt Dippoldiswalde war.
615. Siegel der Stadt Frauenstein.
(Bahn, Das Amt, Schloß und Städtchen Frauenstein, 1748, S. 21. Darnach Gräße, Sagenbuch des K. Sachsen, Nr. 227.)
Das alte Stadtsiegel zeigt eine Frau, welche an einem Felsen steht und in der Hand einen Zweig mit drei Ästen und Blüten hält. Dies bedeutet, daß das Städtchen früher unter dem felsigen Schloßberge stand und von der böhmischen Königin Libussa gegründet wurde. Der Zweig, welchen die Frau in der Hand hält, bezieht sich nämlich auf die Haselrute des Primislaus, des erwählten Gemahls Libussas, welche grünte, als sie letzterer in die Erde steckte, da ihn die Gesandten Libussas vom Pfluge weg nach Prag auf den Königsthron holten.
Auf den neuern Siegeln der Stadt sitzt die Frau entweder mit entblößtem rechten Beine zwischen zwei Felsen, was sagen will, daß Frauenstein zwischen dem Schloß und Sandberge erbaut ist, oder sie springt zwischen den Bergen hervor, indem das rechte Bein noch in denselben steckt, was bedeutet, daß die Stadt ihre Einnahme aus dem damals noch florierenden Bergbau bezogen hat.