Vor der Johanniskirche in Chemnitz stand früher eine päpstliche Martersäule (d. h. eine Stationssäule aus katholischer Zeit) und vor derselben ein klein steinern Kreuz, auf welchem zwei kreuzweis eingehauene Dolche zu sehen waren. Man erzählte, daß sich hier zwei, und zwar einer den andern, erstochen haben sollen.

668. Die drei Kreuze bei Brand.

(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No. 13.)

Vor dem Bergstädtchen Brand am Wege nach Freiberg standen von alters her drei Kreuze, deren Bedeutung nur die Sage noch kennt. Bereits im Jahre 1574 waren die ursprünglich hölzernen Kreuze so vermorscht, daß an ihre Stelle drei steinerne gesetzt wurden. In den Jahren 1608 und 1800 wurden sie wieder erneuert und an die Stelle der steinernen waren wieder solche von Holz gekommen. Von diesen Kreuzen aber erzählt der Volksmund: In einem Kriege, niemand weiß in welchem, wäre Freiberg belagert worden und hätte eine hohe Summe Brandschatzung geben sollen, diese aber nicht sogleich aufbringen können, und deshalb drei Ratsherrn zu Geißeln gestellt. Weil ihnen aber inzwischen Entsatz gekommen wäre, so hätten sie einen Boten in das feindliche Lager geschickt, der den Ratsherrn insgeheim kund that, wie die Sachen ständen, und daß sie womöglich in der kommenden Nacht entfliehen möchten, denn die Stadt sei nicht gesonnen, die hohe Summe zu zahlen. Hierauf wären denn auch die Ratsherrn ihrer Haft entflohen, auch glücklich bis vor das Lager gekommen, hier aber eingeholt und am anderen Morgen für ihren Wortbruch durch das Schwert hingerichtet worden. Nachher hätte die Stadt zum Andenken ihrer unglücklichen Ratsherrn dort, wo sie hatten sterben müssen, die drei Kreuze errichten lassen.

669. Das Hahnenkreuz bei Görkau.

(Fr. Bernau, Comotovia, 1877, S. 77.)

An der Straße von Udwitz nach Görkau findet man linker Hand ein von Lindenbäumchen beschattetes Kreuz, das sogenannte Hahnenkreuz, worauf ein von vergoldetem Blech gefertigter Hahn befestigt ist. An diesen knüpft sich folgende Sage:

Zur Zeit der Hussitenkriege zogen die Scharen des gefürchteten Ziska, nachdem sie die Stadt Komotau in Asche gelegt, auf die Stadt Görkau und das Schloß Rothenhaus los, um unter den dortigen katholischen Bewohnern ebenfalls mit Blut und Mord aufzuräumen. Es war am Schutzengelfeste, als sie durch einen äußerst dichten Nebel auf ihrem Zuge dahin aufgehalten wurden und sich erst dann wieder in Bewegung setzten, als sie ein aus der Ferne her schallendes Hahnengeschrei vernahmen, welches, wie sie glaubten, von Görkau herüber tönte. Sie verfolgten die Richtung des Krähens und verfehlten glücklich die Stadt, indem sie weiter östlich gelangten und schließlich nicht mehr zurückkehrten. Zur Erinnerung an diese wunderbare Errettung aus drohender Gefahr ließen die Bewohner von Görkau das erwähnte Kreuz anfertigen und auf dem Friedhofe aufstellen, von wo es im Jahre 1854 auf den jetzigen Platz unter großen Feierlichkeiten übertragen wurde. Die kleinen daselbst stehenden Linden wurden damals von der Görkauer Schuljugend gepflanzt.

670. Beim roten Kreuz in Schmiedeberg.