Obgleich betrübt, jedennoch unverzagt!
Der Himmel zürnt, wer will mit diesem zanken?
Wohin mich auch mein hart Verhängnis jagt,
Da bleibest du ein Trostbild der Gedanken.
Wirst du mir nicht: so hass' ich Lieb' und Eh';
Nun, Kind, ich geh'.

Nun, Kind, ich geh'. Geh auch und nimm den Kuß,
Wir martern nur einander durch dies Letzen;
Ich zwinge mich, den ungewissen Fuß,
Den du verweilst, Gott weiß wohin! zu setzen;
Das Unglück stürmt, die Lästrer stimmen ein,
Ergib dich drein!

Ergib dich drein! Es blitz' auch nah und fern,
Ein schneller Wind kann leicht das Wetter ändern;
Mein Vaterland versagt mir Glück und Stern;
Dies blüht vielleicht in unbekannten Ländern.
Mein Fleiß ist froh, nur dich noch zu erhöhn,
Viel auszustehn.

Viel auszustehn und gleichwohl froh zu sein
Vermag kein Geist, den Lieb und Ruhm nicht stärken;
Kind, gute Nacht! Mein Anblick mehrt die Pein,
Ich kann die Angst an Farb' und Sprache merken.
Sieh mich noch an und lebe wohl und sprich:
Du daurest mich.

[Als er sie nach 4 Jahren wieder das erstemal empfing]
An Leonore

Die Regung ist zu scharf, ich muß dich stumm umfangen,
Ein Blick, ein Druck, ein Kuß vertritt der Zunge Pflicht;
Ihr Jahre, die ihr spät und unter Not vergangen,
Verzeiht mir jeden Fluch, ich klag' euch weiter nicht,
Ach, macht das Wiedersehn dergleichen süßes Leben,
So laß dir doch, mein Kind, noch öfters Abschied geben.

[Schreiben an seine Leonore]

Ach Kind, ach liebstes Kind, was war das vor Vergnügen!
Der Himmel geb' uns doch dergleichen Nächte viel
Und laß uns so vertraut bis an das letzte Ziel,
Mit Brust und Geist vermählt, in Eintrachtsbanden liegen.
Denn außer jener Welt und ohne diese Lust
Ist doch wohl der Natur kein größrer Schatz bewußt.

Wir spielen ungestört mit Redlichkeit und Küssen,
Wir haben gleichen Sinn, wir wünschen einerlei,
Sind Sklaven süßer Macht, und niemand lebt so frei,
Wir schwatzen, daß uns auch die Worte mangeln müssen,
Wir schenken uns an uns und nähmen, könnt' es sein,
Als Seelen wahrer Treu' nur einen Körper ein.