Uns darf kein Modebrief ein Ehverlöbnis stiften,
Kein Kuppler und kein Geld verbinden unsre Glut!
Dein Malschatz ist mein Herz, dein Herz mein Heiratsgut
Und unser beider Ruhm die Dichtkunst meiner Schriften,
In welchen Lieb und Scherz so lange Lob gewinnt,
Als Kunst und Wissenschaft in Deutschland fruchtbar sind.
Wir haben unsern Bund die Zeit bewähren lassen;
Vor dich ist in der Welt kein bess'rer Mann als ich,
Ich find' auch auf der Welt kein treuer Weib als dich:
Wir müßten sonder uns das beste Leben hassen.
Da, wo ich dich nicht seh, da ist mir alles leer,
Und wenn es auch der Schwarm des größten Hofes wär'.
Versuchte mich Eugen, und böte mir der Kaiser
Vor dich, du frommes Kind, Gold, Thron und Purpur an,
So spräch ich, wie ich dir mit Wahrheit schwören kann:
Ich ehre, großer Held, die vielen Siegesreiser,
Ich weiß auch, großer Karl, was Macht und Kronen sind;
Behaltet, was ihr habt, und laßt mir nur mein Kind.
Gesegnet sei der Tag, gesegnet sei die Kammer,
Der unsern Bund gesehn, die unsern Kuß gehört!
Wer jenen durch Verdruß und die mit Fluch entehrt,
Dem mach' ein böses Weib den Ehstand voller Jammer.
Gesegnet sei auch gar der Kummer und der Neid,
Der wegen deiner Gunst mir manchen Stoß verleiht.
O könnt' ich doch, mein Kind, in allen Sprachen dichten
(So wünsch' ich dann und wann, wie einst Petrarchens Mund)
So tät' ich deinen Wert den meisten Ländern kund,
So ließ' ich jedes Volk von unsrer Liebe richten:
Die Klügsten würden sehn, wie zärtlich meine Treu',
Wie redlich meine Brust, wie rein dein Herze sei.
Ich tu', soviel ich kann, dein Denkmal auszubreiten,
Um bei der späten Welt durch deinen Ruhm zu blühn.
Wie mancher wird noch Trost aus meinen Liedern ziehn,
Wie manchen wird mein Vers zur süßen Regung leiten:
So merk' ich, wenn mein Mund der Alten Arbeit liest,
Daß unsre Liebe schon vor dem gewesen ist.
Was hat wohl unser Wunsch mehr auf der Welt zu suchen,
Und welches Glück ist noch wohl unsers Neides wert?
Wenn mir des Himmels Huld dich vollends ganz gewährt,
So wüte Feind und Groll, so mag der Spötter fluchen;
Drei Dinge sind mein Trost: Gott, Wissenschaft und du,
Bei diesen seh ich stets den Stürmen ruhig zu.
[Als sie zur Hochzeit ihres Bruders reiste]
An Leonoren
Gedenk' an mich und meine Liebe,
Du mit Gewalt entriss'nes Kind,
Und glaube, daß die reinen Triebe
Dir jetzt und allzeit dienstbar sind,
Und daß ich ewig auf der Erde
Sonst nichts als dich verehren werde.
Gedenk' an mich in allem Leiden
Und tröste dich mit meiner Treu!
Die Luft mag jetzt empfindlich schneiden,
Die Wetter gehn doch all vorbei,
Und nach dem ungeheuren Knallen
Wird auch ein fruchtbar Regen fallen.