Gedenk' an mich in deinem Glücke,
Und wenn es dir nach Wunsche geht,
So setze nie den Freund zurücke,
Der bloß um dich in Sorgen steht!
Auch mir kann bei dem besten Leben
Nichts mehr als du Entzückung geben.

Gedenk' an mich in deinem Sterben,
Der Himmel halte dies noch auf;
Doch sollen wir uns nicht erwerben,
Und zürnt der Sterne böser Lauf,
So soll mir auch das Sterbekissen
Die Hinfahrt durch dein Bild versüßen.

Gedenk' an mich und meine Tränen,
Die dir so oft das Herz gerührt
Und die dich durch mein kräftig Sehnen
Zum ersten auf die Bahn geführt,
Wo Kuß und Liebe treuer Herzen
Des Lebens Ungemach verschmerzen.

Gedenk' auch endlich an die Stunde,
Die mir das Herz vor Wehmut brach,
Als ich, wie du, mit schwachem Munde
Die letzten Abschiedsworte sprach;
Gedenk' an mich und meine Plagen!
Mehr will und kann ich jetzt nicht sagen.

[An seine Leonore]

Hier hast du nun den dritten Schwur,
Wodurch ich Himmel und Natur
Zu Zeugen unsers Bundes setze:
Bleib treu, getrost und achte nicht,
Wenn manche Lästerzunge sticht,
Der falschen Freunde Mordgeschwätze.

Das Glücke hält uns freilich auf,
Doch laß ihm nur den faulen Lauf!
Es sucht fein langsam auszurasen.
So stark der Nord sich hören läßt,
So zärtlich wird auch bald der West
In unsre Liebesflaggen blasen.

Die Weltlust zeigt mir nichts mehr an,
Worein ich mich verlieben kann,
Als dein Gesicht und meine Bahre;
Bekomm' ich nun das erste nicht,
So lass' ich freudig Tag und Licht
Auch mitten um die besten Jahre.

Ich fühl' am besten innerlich
So manchen tiefen Herzensstich
Und bin schon ziemlich umgetrieben;
Doch will mir Gott genädig sein,
So läßt er mich nach aller Pein
Dich einmal noch und sicher lieben.

Vertrau der Vorsicht, liebster Schatz,
Sie wird uns einen Ruheplatz,
Es sei auch, wo es will, bereiten;
Alsdann belachen wir mit Lust
Aus froh- und eintrachtsvoller Brust
Die Torheit unsrer bösen Zeiten.