Besinne dich, was Schweidnitz wies:
Von innen zwar ein Paradies,
Von außen Unruh, Zank und Plagen,
Und kommt dir Roschkwitz in den Sinn,
So denk' auch dort nach Borau hin,
Wo mich dein Abschied wund geschlagen.
Sobald des Bruders Hochzeitsfest
Dich bei der Tafel lachen läßt,
So trink mein Wohlsein in Gedanken;
Und wenn dir der Verlobten Kuß
Zu stiller Reizung dienen muß,
So wisse: Günther kann nicht wanken.
Es hat mich innerlich ergetzt,
Daß Lorchen meine Lieder schätzt
Und dann und wann noch Verse fodert.
Dein Name soll auch ganz allein
Die Zierat meiner Reime sein,
In welchen unsre Liebe lodert.
Mein Engel, nimm es selbst aus dir,
Wie schwer, wie scharf und ängstlich mir
Dein drittes Abschiedsküssen falle;
Jedoch Geduld, Vernunft und Zeit
Krönt endlich die Beständigkeit
Und schenkt uns Zucker auf die Galle.
Nun gute Nacht, du treues Kind!
Es wird noch mancher saurer Wind
Mir kräftig in das Antlitz streichen;
Doch darum mache dir nicht Schmerz,
Dein Angedenken stärkt mein Herz
Und bleibt mein festes Hoffnungszeichen.
[An Eleonore]
Ach Kind, verschone mich in dir
Und laß mich unbetrübt von hier!
Was quälst du mich mit so viel Tränen?
Es sind die Kräfte meiner Brust.
Ach, hast du denn bei so viel Sehnen
Noch gar zu meiner Ohnmacht Lust?
Ich bin wohl so genug geplagt,
Verfolgt, verleumdet und verjagt,
Und du willst noch die Angst verstärken?
Was Günther fühlt, das weiß sein Herz,
Ich laß es kaum die Hälfte merken,
Sonst macht' ich dir noch schärfern Schmerz.
Du bist ja meiner Treu gewiß,
Dies ist ein Band vor diesen Riß,
An dem die Hoffnung auch schon heilet.
Ach, mildre doch nur den Verdruß,
Dieweil die Zeit, so jetzo teilet,
Uns endlich wieder binden muß.
Gesetzt, du würdest ungetreu,
Wovor doch Glück und Himmel sei,
Ich könnte dich unmöglich hassen:
Mir wär' es zwar die ärgste Pein,
Hat sie dich, dächt' ich doch, verlassen,
Will ich um desto treuer sein.