Ich weiß, man tadelt mich darum;
Der schilt mich weibisch, jener dumm.
Die Großmut adelt mein Gemüte,
Und daß ich zärtlich lieben kann,
Das nehm' ich von des Schöpfers Güte
Wohl vor die größte Wohltat an.

Sei arm, verlassen und veracht,
Verliere, was gefällig macht,
Laß Zahn und Farb' und Jugend schwinden,
Du bleibst in meinen Augen schön
Und sollst sie allemal entzünden,
Solange sie noch offen stehn.

Ein Augenblick der süßen Zeit,
In welchem mich dein Scherz erfreut,
Gilt mehr als alle Freudenfeste,
Wo Dresden, jetzt die halbe Welt,
Das Herz der hohen Hochzeitgäste
Mit tausend Wollust unterhält.

Der Frühling ist nun nicht mehr weit.
Spazier' in grüner Einsamkeit
In euren schönen Erlengängen
Und denk' in allem Ungemach,
So Schmerz dich, Neid und Freunde drängen,
Den oft gegebnen Lehren nach.

Dort soll der jungen Vögel Schrei'n
Die Botschaft meiner Sehnsucht sein,
Und scherzt der West mit Kleid und Wangen,
So wiss' und glaube sicherlich:
Er meldet dir mein heiß Verlangen
Und küßt dich tausendmal vor mich.

[Scheiden]

Ich nehm' in Brust und Armen
Den schweren Abschiedskuß;
Der Himmel hat Erbarmen,
Indem er trennen muß.
Ich küss', ich wein' und liebe,
Mein treues Lorchen spricht,
Sie habe gleiche Triebe:
Wie aber? Weint sie nicht?

Leonorens Antwort

Du suchest ja dein Glücke,
Das hier wohl nicht mehr blüht,
Ich hasse das Geschicke,
Das uns von sammen zieht,
Ach, säh'st du meine Schmerzen,
Ich schweige, wertes Licht!
Ich liebe dich von Herzen,
Und darum wein ich nicht!